Im Grünen…

Wenn man das Ende der Stadt erreicht hatte und noch etwas weiter ins Grüne fuhr, sah man plötzlich zwei Eigenheime. Eigentlich sollte hier eine ganze Siedlung entstehen, doch irgendetwas war schiefgelaufen. Man sprach von Fehlplanung, Schildbürgerstreich und hinter vorgehaltener Hand noch von schlimmeren Dingen. So kam es, dass nur die Familien E. und K. hier wohnten. Das nachbarschaftliche Verhältnis war, wie nachbarschaftliche Verhältnissen so nun mal sind. Die Kinder schlugen sich und vertrugen sich wieder. Der Hund von Familie K. verscheuchte die Katze von Familie E. Die Erwachsenen grüssten sich und sprachen auch schon mal über den Gartenzaun miteinander. Familie E. hatte mal zu einem Grillabend eingeladen. Es war nicht wirklich ein Erfolg. Herr K. konnte sich für die veganen Würstchen nicht begeistern. Man suchte nach etwas, was alle interessierte und als man es mit Fussball gefunden hatte, stellte sich heraus, dass es innerhalb der Familie K. einen BVB Dortmund gegen Bayern München Konflikt gab, während in der Familie E. die Anhänger von Werder Bremen gegen die des SC Freiburg standen. Also beschränkte man das Gespräch auf die bewährten Aussagen «1:0 genügt» und «das Spiel hat 90 Minuten».
Eines Abends kam der Sohn der Familie K. zu seinem Vater und sagte ihm, dass der Nachbarsohn gesagt hätte, sie hätten jetzt Ökostrom und Familie K. sei schmutzig oder so ähnlich. Da Herr K. gerade seine Zeitung las, brummte er nur ein «Kann schon sein» und der Sohn trollte sich.
Plötzlich bemerkte er ein Flackern der Stehlampe. «Was hat der gesagt?» rief er seinen Sohn. «Dass wir schmutzig sind.» «Nein, das andere.» «Sie haben jetzt Ökostrom.» Das musste der Grund für das Flackern sein. Er legt die Zeitung zusammen und stapfte zu seinem Nachbarn. Als der die Haustür öffnete, fragte er ihn, ob bei ihnen auch das Licht flackere. Nein, bei uns nicht, war die Antwort. Sie hätten jetzt sehr stabilen Ökostrom aus österreichischen Wasserkraftwerken und da flackert nichts. Bei mir flackert es aber, seitdem Sie glauben, dass Sie Ökostrom haben, erregte sich Herr K. Ich glaube, dass da was schiefgelaufen ist. Ich kriege Ihren Ökostrom und den will ich nicht, weil er flackert. Dann wenden Sie sich bitte an die Stadtwerke, blieb Herr E. ganz gelassen. Das werde ich, entgegnete Herr K. bevor er zu seiner Zeitung zurückstapfte.
Am nächsten Morgen rief Herr K. gleich bei den Stadtwerken an. «Hier läuft was falsch. Ich kriege den Ökostrom von meinem Nachbarn und der kriegt meinen Strom.» donnerte Herr K gleich los. «Wie, bitte? Machen Sie sich keine Sorgen. Alles ist im grünen Bereich.» entgegnete ihm eine blonde Stimme. Mit so etwas liess Herr K. sich nicht abspeisen. «Ein Moment, ich verbinde Sie.» Nach gefühlten zwanzig Minuten, die mit wiederkehrenden 8 Takten Computermusik gefüllt wurden, ertönte eine neue Stimme: «Was können wir für Sie tun?» «Liefern Sie mir den Strom, den ich bestellt habe und nicht den Ökostrom, den mein Nachbar bestellt hat.» «Ökostrom ist doch sehr gut. Klimawandel und so, dass wissen Sie sicher doch.» «Ich will meinen Strom!» Herr K. hatte das Gefühl, dass er seiner Aussage mit etwas Lautstärke mehr Gewicht verleihen könnte. «Regen Sie sich bitte nicht auf. Wir liefern genau, was Sie bestellt haben. Schauen Sie einfach auf Ihre Rechnung. Steht das was von Ökostrom?» «Nein, da steht nichts von Ökostrom und deshalb will ich auch keinen und erst recht nicht den von meinem Nachbarn. Irgendwo haben Sie ein Ventil falsch gestellt und jetzt kriege ich den Ökostrom.» «Solche Ventile gibt es gar nicht. Zu Ihnen hinaus gibt es nur Kabel und darüber werden beide Häuser versorgt.» «Wenn der Ökostrom und der Nicht-Ökostrom über das gleiche Kabel kommen, müssen Sie den doch irgendwo wieder aufteilen und da läuft es falsch.» «Da wird nichts aufgeteilt. Sie kriegen beide exakt den gleichen Strom.» Herr K. war sprachlos. «Aber mein Nachbar zahlt mehr?» «Mmmmh, nun ja. Kommt darauf an, wie man das sieht. Sie wissen schon Klimawandel und so.» «Dann danke ich Ihnen für die Auskunft.» Herr E. hatte seitdem immer das Gefühl, ein leichtes Schmunzeln im Gesicht von Herrn K. zu entdecken, wenn man sich begegnete.

Kohle ist nicht gleich Kohle

Was haben Windenergie, Biomasse, Wasserkraft und Photovoltaik gemeinsam. Alle zählen zu den «Erneuerbaren Energien». Was haben Braunkohle und Steinkohle gemeinsam. Beide sind Kohlen und zählen zu den «konventionellen Energien». Falsch. Sie sind zwei vollkommen verschiedene Energieträger, die nichts gemeinsam haben. Dies ist zu berücksichtigen, wenn man eine Reihenfolge der grössten Energieträger aufstellt. Die richtige Reihenfolge ist: Erneuerbare, Braunkohle, Steinkohle.

Genug, mehr als genug…

Energiewende-Szenarios gehen immer davon aus, dass wir viel mehr Windturbinen installieren müssen. Eine typische Zahl ist 400 GW. Wenn die Turbinen jetzt wirklich 400 GW Strom liefern, könnten wir diese Menge natürlich nicht verbrauchen. Die Leistung der Turbinen wird einfach begrenzt. Aber diese Situation kommt ja nicht sehr häufig vor. Nach der jetzigen Rechtslage wird den Windmüllern der nicht erzeugte Strom trotzdem bezahlt. Ein typischer Stromverbrauch ist 70 GW. Die Frage wäre dann, wieviel Strom aus 400 GW Windturbinen könnte nicht verbraucht werden. Eine Analyse der Windeinspeisung im Jahr 2016 zeigt, dass ca. 45% der Stromerzeugung nicht verbraucht werden kann. 45% des Stroms wird erzeugt, wenn die Leistung der Windturbinen größer als (70/400=) 17.5% ist. Dies würde bedeuten, dass wir fast doppelt so viel Strom erzeugen könnten, als wir verbrauchen können. Die Stromgestehungskosten stiegen also auf das Doppelte. Die folgende Kurve zeigt den Effekt der Leistungsbegrenzung auf die nutzbare Strommenge.

Wie geht’s weiter mit dem CO2?

Ich habe mal die Stromproduktion von 2000 bis 2016 in einer Grafik dargestellt:
Stromproduktion 2000 - 2016
Der Strom aus Wasserkraft ist fast konstant und Änderungen sind nicht zu erwarten. Bei der Solarenergie deutet sich eine Sättigung an. Der Strom aus Biomasse hat eine Sättigung erreicht und wird in der Zukunft wohl eher zurückgehen. Der Strom aus Kernenergie ist fast auf die Hälfte zurückgegangen und wir in den nächsten Jahren noch dramatischer zurückgehen. Er liegt aber immer noch vor der Produktion aus Windenergie. Die grossen Stromerzeuger, die das meiste CO2 produzieren, Braunkohle und Steinkohle sind ziemlich stabil. Braunkohle hat sich kaum geändert und Steinkohle hat etwa 20% verloren. Erdgas ist sehr uneinheitlich, weil es als letztes genutzt wird und die Schwankungen der anderen ausgleicht.
Was darf man für die Zukunft erwarten? Zwei Punkte sind ziemlich sicher: die Kernenergie wird zurückgehen und der Strom aus Biomasse nicht zunehmen. Es ist zweifelhaft, dass die Windenergie in den nächsten 5 Jahren so stark ausgebaut werden kann, dass sich die Stromproduktion verdoppelt. Der Strom aus Kernenergie wird wohl durch Strom aus Erdgas ersetzt werden. Für den Strom aus Braun- und Steinkohle ist wohl kaum eine Änderung zu erwarten. Dies bedeutet auch, dass der CO2-Ausstoss aus der Stromproduktion in den nächsten Jahren wohl eher zunehmen wird. Aber vielleicht kommt es auch ganz anders.

Nur ein Zwischenspiel?

Die folgenden Grafik zeigt die Neuinstallationen von Biomasse-Stromerzeugern:

Man sieht, dass es mit dem EEG-Gesetz des Jahres 2000 begann. Danach ging es steil bergan, da mit Biogas mehr Geld als mit Brotgetreide zu verdienen war. Während der Finanzkrise gab es einen kleinen Einbruch. Als sich abzeichnete, dass die Förderung reduziert werden würde, gab es noch einmal einen grossen Schub. In den letzten beiden Jahren ist zu Zubau praktisch eingestellt worden. Mit dem neuen EEG-Gesetz sind Biomasse-Stromerzeuger nicht mehr richtig erwünscht. Die installierten Anlagen erhalten ihre Förderung für 20 Jahre. Man kann daher vermuten, dass die Anlagen nach 20 Jahren ausser Betrieb genommen werden, da sie nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden können. Ab 2024 sollte es also einen signifikanten Abfall der installierten Leistung geben. Oder die Förderung der Anlagen wird doch verlängert. Zur Zeit scheint sich aber nur die CSU dafür einzusetzen.

Schwelbrand im Lokalteil

Im grössten Giftmülllager der Welt in Herfa-Neurode schwelt seit Oktober ein Brand. Man weiss nicht genau, was in Brand geraten ist. Man vermutet Transportpaletten. Die Feuerwehr hat sich entschlossen, den Bereich luftdicht abzuschliessen und abzuwarten, bis das Feuer auf Grund von Sauerstoffmangel erlischt. Daran ist nichts zu kritisieren.
Was verwundert, ist das geringe Interesse in den Medien. Einige Moleküle Glyphosat im Bier bringen es auf die erste Seite der meisten Zeitungen und in die Fernsehnachrichten. In der grössten Giftmülldeponie der Welt brennt es und es reicht nur für den Lokalteil. Wie man sieht, geht es auch ohne aufgeregtes Hyperventilieren.

Zur Kernenergie

Ich musste mich in meinem Leben nie für oder gegen Kernenergie entscheiden, da ich weder beruflich noch privat etwas mit Kernenergie zu tun hatte.
Nachdem Unglück in Fukushima gab es die schnelle Entscheidung in Deutschland zum Ausstieg und viele Diskussionen. Ich dachte, dass es vielleicht doch mal Zeit wäre, sich einen Standpunkt zuzulegen.
Also habe ich mein altes Atomphysikbuch herausgeholt, einen Bericht der UNO und was ich sonst noch an Literatur finden konnte. Ich habe mich aber auf technische Fachliteratur beschränkt.
Die Technik liefert einem aber keinen Standpunkt. Es gibt keine Technik ohne Nachteile. Alles hat ein Risiko. Am Ende muss man eine Güterabwägung treffen. Was gewichte ich schwerer die Vorteile oder die Nachteile? Unter Berücksichtigung der Risiken, die ich in meinem Leben einzugehen bereit bin, halte ich das Risiko der Kernenergie für tragbar. Ich schliesse nicht aus, dass ich das irgendwann mal anders sehe. Andere mögen das anders sehen und dagegen sage ich auch nichts.
Immerhin basiert meine Abwägung auf Faktenwissen über die Technik. Was mich wundert, ist, wie sicher sich manche Menschen in ihrer Entscheidung sind, obwohl sie gar kein Wissen haben oder sogar noch falsche Vorstellungen haben.
Da ich nicht davon ausgehe, dass sich irgendetwas in meinem Leben ändert, wenn Deutschland Kernkraftwerke hat oder nicht, berührt mich das Thema anderseits auch nicht besonders.

Und nun? (2)

Als man sich im Jahre 2012 überlegte, ob den Müll aus der Asse holt oder dort lässt, sprachen 4 von 5 Kriterien dafür, ihn dort zu lassen. Das eine Kriterium gab aber den Ausschlag. Es hiess, dass der folgende Fall nicht auszuschliessen sei.
Die Asse läuft voll Wasser und alle radioaktiven Elemente (hauptsächlich die langlebigen wie Uran und Thorium) lösen sich in der Salzlauge. Es gibt tektonische Verschiebungen, wie es sie bei der Entstehung der Asse vor Millionen Jahren gab und die Asse quetscht das ganze Wasser nach oben. Damit würde dann das Grundwasser verseucht und eine erhebliche Strahlenbelastung der Bevölkerung erzeugt. Wegen Zeitnot (das Gesetz sollte beschlossen werden) konnten keine weiteren Untersuchungen gemacht werden. Die Strahlenschutzkommission hat das Öko-Institut beauftragt, das Szenario noch mal zu untersuchen. Das Öko-Institut hat festgestellt, dass die vorherigen Gutachter gravierende Fehler gemacht haben. Die Annahme, dass sich die radioaktiven Elemente vollständig in Salzwasser lösen, ist unphysikalisch. Viele Verbindungen sind gar nicht oder nur gering wasserlöslich. Aus den neuen Berechnungen ergeben sich Strahlenbelastungen, die um den Faktor 10’000 kleiner sind und Grössenordnungen kleiner als die natürliche Strahlenbelastung sind.
Bei der Rückholung entstehen Strahlenbelastungen für die beteiligten Menschen. Das Gesetz sieht sogar vor, dass Grenzwerte überschritten werden dürfen.
Jetzt könnte man meinen, dass jetzt alles gut ist und man das Zeug einfach da unten lässt. Aber genau das lässt das Gesetz nicht zu. Wir haben also einen Vorstoss gegen die Regeln des Strahlenschutzes per Gesetz erzwungen.
Einige Politiker meinten sofort, dass das neue Gutachten keine Änderung bringt. Es stellen sich mir zwei Fragen: 1. Haben die den Bericht gelesen? 2. Haben sie ihn verstanden? Ich vermute die Antwort ist in beiden Fällen nein.

Where the hell is Herfa-Neurode?

Kaum jemand wird diesen Ort kennen. Hier betreibt Deutschland die grösste Untertagedeponie der Welt für Giftmüll. 2.7 Millionen Tonnen wurden bereits in dem Salzstock eingelagert und die Kapazität pro Jahr beträgt 200’000 Tonnen. Der Giftmüll wird üblicherweise mit LKWs gebracht. Er zersetzt sich im Gegensatz zu radioaktivem Müll nicht und muss für immer von der Umwelt abgetrennt werden. Niemand hält das für ein Problem zu halten. Der Müll stammt z. B. aus der Chemieindustrie.
Wo bleiben die Chemie-Nein danke-Aufkleber, die Blockaden der Giftmülltransporte, Aktionen von Greenpeace und den Grünen?
Wieso ist Giftmüll in Salzstöcken unproblematisch im Gegensatz zu radioaktivem Müll?
Dass die Deponie vom damaligen hessischen Umweltminister Joschka Fischer genehmigt wurde, wird es wohl nicht sein.

Und nun?

Ich bin in meinem Leben nur einmal in einem richtigen Bergwerk gewesen und zwar ca. 1980 in der Asse II. Wir waren auf 750 m Tiefe und haben uns das Atommülllager angeschaut. Dort liegt massenweise Krankenhausmüll und ähnliches. Es gab auch eine Anlage mit der die Graphitkugeln aus dem Hochtemperaturreaktor von der Erdoberfläche auf 1050 m gebracht werden sollten. Die Anlage war mit Gummikugeln gleicher Grösse getestet worden, aber dann lief die Einlagerungsgenehmigung aus und soviel ich weiss, liegen die Kugeln immer noch in Jülich.
2013 hat der Bundestag beschlossen, den Müll wieder rauszuholen. Das Umweltministerium wollte damit nach 2030 anfangen und rechnete mit Kosten von 10 Mrd. Euro. Jetzt hat die Strahlenschutzkommission einen Bericht für das Umweltministerium erstellt, wo nach das Zeug in der Asse vollkommen sicher gelagert ist und es besser für alle ist, wenn es da unten bleibt.
Und nun? Folgen wir den Empfehlungen der Strahlenschutzkommission oder den Empfehlungen des Bundestages mit der Folge einer höheren Strahlenbelastung?
Eine Person, die schon etwas an Demenz leidet, hatte mich, als ich ihr davon erzählte, spontan gefragt, wo man den Müll denn hinschaffen wolle.
Über dem Müll liegen etwa 700 m Salz. Dieses besteht aus Natriumchlorid und Kaliumchlorid. Kalium ist ein Isotopengemisch, dass immer auch Kalium-40 enthält und dieses ist radioaktiv. Jetzt kann man ausrechnen, wieviel radioaktives Material der Salzstock enthält. Das erstaunliche Ergebnis ist, dass das Salz mehr Radioaktivität enthält als der Müll. Wäre man konsequent, müsste man auch den Salzstock „zurückholen“. Jetzt beginnt es, absurd zu werden.
Da das Salz stark hydroskopisch ist, dringt immer etwas Wasser in den Salzstock ein. Pro Tag werden 2500 l Salzwasser abgepumpt. Als jetzt bekannt wurde, dass man das Wasser in die Elbe kippen wollte, erzeugte dies eine „Empörungswelle“. Das Wasser ist weniger radioaktiv als das Nordseewasser und die Elbe führt pro Tag im Schnitt 4-millionenmal mehr Wasser.