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Der Wald, das merkwürdige Wesen

In Artikeln zum Hambacher Forst wird immer darauf hingewiesen, dass der Wald sehr alt sei. Das scheint ein wichtiges Argument zu sein. Nur habe ich zwei verschiedene Zahlen gelesen: 1200 und 12000 Jahre.
Das bringt mich zu der Frage, wie man das Alter eines Waldes bestimmt. Mit dem Alter der Bäume hat es wohl nichts zu tun, denn es gibt dort keine Bäume, die 1200 Jahre alt sind.
Der Wald ist also ein merkwürdiges Wesen. Es gibt keinen Teil des Waldes, der so alt ist wie der Wald. Was ist der Wald eigentlich? Der Wald besteht aus Bäumen. Sind zwei Bäume schon ein Wald? Vermutlich nicht. Nehmen wir an, dass ein Wald mindestens 10 Bäume hat. Wenn ich den nördlichsten Baum fälle, dann ist es kein Wald mehr. Dieser Baum hat also etwas Besonderes, denn er macht aus 9 Bäumen einen Wald. Das gilt aber auch für die anderen 9 Bäume. Nominalisten sagen, dass es in der Realität gar keinen Wald gibt. Es gibt nur Bäume und der Mensch macht erst in seinem Gehirn daraus einen Wald. Kann aber etwas, das es in der Realität nicht gibt, ein Alter haben?
Man kann die Aussage, dass der Wald 1200 bzw. 12000 Jahre alt ist, auch so interpretieren, dass dort während dieser Zeitspanne Bäume gestanden haben. Ist das charakteristisch für den Hambacher Forst. Wälder gibt es bei uns hauptsächlich da, wo der Boden zu sandig, zu felsig oder zu steil für Landwirtschaft ist. Man kann daher annehmen, dass die meisten Wälder bereits seit der letzten Eiszeit bestehen. Der Hambacher Forst hätte in dieser Richtung kein Alleinstellungsmerkmal.

Alles ganz einfach…?

Ich hatte im letzten Semester geäussert, dass es für mich unwichtig sei, ob eine wissenschaftliche Theorie wahr sei. Wichitg sei, dass sie die Phänomene richtig beschreibt. Daraufhin hörte ich vom Professor die Bemerkung, dass das auch die Ansicht von N. Luhmann sei.
Ich hatte den Namen schon mal gehört. N. Luhmann war ein Professor in Bielefeld, der über eine Theorie der Gesellschaft geforscht hat. Nach 30jährigen Nachdenken hat er ein bedeutendes Werk dazu verfasst.
Nun mag die Theorie ja nicht richtig sein. Wenn aber ein kluger Mann 30 Jahre über eine Theorie der Gesellschaft nachdenkt, können gesellschaftliche Phänomene wohl kaum simpel erklärt werden.
Wieso kommen eigentlich Menschen, die alles mit simplen Theorien („Schuld ist der Neoliberalismus.“ „Schuld sind die Lobbyisten.“) erklären, nicht auf die Idee, dass alles vielleicht viel komplizierter ist?