Archiv der Kategorie: Umwelt

Abgas-Kartell?

Vor einigen Wochen kamen wir auf die Idee abends mit dem Fahrrad ins Dorf zu fahren und in einer schönen Kneipe ein Bier vor dem Schlafengehen zu trinken. Da wir in einem Kurort leben, gibt es eine ganze Reihe von Gaststätten. Wir mussten aber feststellen, dass in den ersten drei Gaststätten geraucht wurde. Wir landeten dann in einem Hotel, das eine schöne Kneipe hat, aber leider war die auch verraucht. Auf die Frage, ob es in Bad Zwischenahn eine Gaststätte gäbe in der man «ungeräuchert» ein Bier trinken könnte, antwortete der Kellner, dass das nach seinem Wissen nicht möglich sei.
In Niedersachsen gibt es ein Rauchverbotsgesetz wie in anderen Bundesländern auch. Die Polizei sagt, dass sie für die Einhaltung nicht zuständig sei. Der Bürgermeister meint, dass die Gemeinde für die Einhaltung auch nicht zuständig sei. Zuständig seien die Wirte. Im Übrigen bezeichnet er Anzeigen wegen des Rauchverbots als «anschwärzen». Der Gaststättenverband hält Anzeigen wegen Verstosses gegen das Gesetz für eine Diffamierung. Man hat den Eindruck, dass alle unter einer Decke stecken, um die Umsetzung des Rauchverbots zu verhindern.
Für einen demokratischen Rechtsstaat zeigt sich hier eine problematische Rechtsauffassung. Wenn man der Auffassung ist, dass die Täter für die Einhaltung der Gesetze zuständig sind, braucht man gar keine Polizei mehr.
Jedes Bundesland hat ein eigenes Rauchverbotsgesetz. In 13 Ländern sind die Bussgelder im Gesetz vorgeschrieben. Sie reichen bis zu 10 000 Euro in Meck-Pomm. In Niedersachsen überlässt man die Festsetzung der Höhe der Bussgelder der Gemeinde. Da kann man sich vorstellen, wie hoch die Bussgelder sein werden, wenn jemand die Wirte bei der Gemeinde «anschwärzt».
Jetzt könnte man auf die Idee kommen, einfach mal Anzeige zu erstatten. In einem kleinen Dorf mit dem geschilderten politischen Umfeld sollte man davon vielleicht besser Abstand nehmen.

Vielleicht manchmal doch besser Glyphosat…

Ich habe gestern meine Mutter im Pflegeheim besucht.
Im Keller des dreigeschossigen Gebäudes befindet sich ein Schwimmbad. Vermutlich um Tageslicht zu haben, gibt es einen Aushub vor dem Schwimmbad. Es gibt eine Treppe, so dass man hinuntersteigen kann. Als ich ankam, hörte ich dort einen ziemlich lauten Lärm, den ich aber nicht identifizieren konnte.
Als ich mit meiner Mutter das Pflegeheim verließ, um eine Tour mit dem Rollstuhl zu machen, hörte ich die Hausleitung das Küchenpersonal beruhigen, dass die Feuerwehr bereits informiert sei. Wir hörten dann von weiten die Sirenen der Feuerwehr. Als wir nach einer Stunde zurückkamen, konnten wir das Haus wegen des Rauches nicht betreten.
Da ja Unkrautvernichtungsmittel heute verboten sind, hatte jemand mit einem Bunsenbrenner (daher der Lärm) das Unkraut verbrannt. Vor einer Holztür war auch Unkraut und hinter der Holztür lag Papier. Statt oder zusätzlich zum Unkraut wurde das Papier und die Tür verbrannt.
Dazu passt eine kürzlich gefällte Entscheidung eines Oberlandesgerichts. Ein Mann hatte Unkraut mit einer Mischung aus Essigessenz und Salz bekämpft. Man verlangte von ihm eine Buße von 150 Euro wegen unerlaubtem Gebrauch von Unkrautvernichtungsmitteln. Das Oberlandesgericht hob die Entscheidung auf mit der Begründung, dass es sich bei Essig und Salz eindeutig um Lebensmittel handele und nicht um Unkrautvernichtungsmittel. Hier öffnet sich ein neues Betätigungsfeld für den kreativen Schrebergärtner. Ob ein wenig Glyphosat da nicht die bessere Lösung gewesen wäre.

CO2

Ich habe unsere Energieverbrauchsabrechnung bekommen und will jetzt mal berechnen wie viel CO2 wir eigentlich so ausstossen.
Unser Gas verbrauch lag bei 19’000 kWh, was knapp 1400 kg Gas entspricht. Daraus entstehen ca. 4000 kg CO2.
Ausserdem haben wir 2200 kWh Strom verbraucht. Wenn man den deutschen Strommix zugrunde legt, haben wir hiermit ca. 1300 kg CO2 verursacht.
Mit dem Auto sind wir etwa 6000 km gefahren und haben damit ca. 360 l Benzin verbraucht. Dadurch kamen aus dem Auspuff etwa 830 kg CO2.
Wir können aber auch das Atmen nicht sein lassen. Dieser Ausstoss hängt aber sehr stark von der körperlichen Aktivität ab. Ich schätze mal, dass wir beide zusammen etwa 500 kg CO2 ausgeatmet haben.

WodurchWieviel [kg]Wieviel [%]
Gasheizung400060
Strom130020
Autofahren83013
Atmen5007
Summe6630100

Kommt ein Vogel geflogen…

Gegner von Windturbinen verweisen immer darauf, dass Vögel von den Windturbinen «geschreddert» werden. Ich bin mal an der Küste unter einigen Windturbinen hergelaufen und habe keine toten Vögel gesehen. Man sagte mir, dass die toten Vögel von Raubvögeln geholt werden. Aber ich habe auch keine Federn gesehen.
Jetzt habe ich gelesen, dass im Durchschnitt ein Vogel pro Monat von einer Windturbine getötet wird.
Das hört ja nicht nach sehr viel an. Wenn man aber bedenkt, dass in Deutschland 27’000 Windturbinen stehen und dass das Jahr 12 Monate hat, dann bedeutet das, dass die Windturbinen jedes Jahr über 300’000 Vögel töten. Das hört sich wieder nach sehr viel an. Anderseits sollen in den USA Katzen für den Tod von 1.4 bis 3.7 Milliarden Vögeln verantwortlich sein.

Nitrat

Unser Wasserversorger sagt, dass unser Trinkwasser nur wenig mit Nitrat belastet ist, weil er das Wasser aus 160 m Tiefe holt, und das Nitrat nur in 20 m Tiefe ist. Aber man kann ja nicht ausschliessen, dass in der Zukunft doch Nitrat ins Trinkwasser kommt und das Entfernen wird dann sehr teuer. Was ist der Grund für das Nitrat im Grundwasser? Unser grosser Fleischkonsum. Viel Fleischkonsum heisst viele Kühe und Schweine und die machen Gülle und die enthält Nitrat.
50 mg Nitrat pro Liter (oder pro kg Wasser, was etwa das Gleiche ist) ist der Grenzwert.
Statt Fleisch sollten wir sowieso mehr Gemüse essen. Jetzt enthält Gemüse aber etwa 1000 mg pro kg Nitrat. Also kein Fleisch und kein Gemüse. Vielleicht bleibt nur die Ernährung studentischer Frankreichurlauber: Rotwein, Baguette und Käse. Hoffentlich ist wenigsten da kein Nitrat drin.

Wie geht’s weiter mit dem CO2?

Ich habe mal die Stromproduktion von 2000 bis 2016 in einer Grafik dargestellt:
Stromproduktion 2000 - 2016
Der Strom aus Wasserkraft ist fast konstant und Änderungen sind nicht zu erwarten. Bei der Solarenergie deutet sich eine Sättigung an. Der Strom aus Biomasse hat eine Sättigung erreicht und wird in der Zukunft wohl eher zurückgehen. Der Strom aus Kernenergie ist fast auf die Hälfte zurückgegangen und wir in den nächsten Jahren noch dramatischer zurückgehen. Er liegt aber immer noch vor der Produktion aus Windenergie. Die grossen Stromerzeuger, die das meiste CO2 produzieren, Braunkohle und Steinkohle sind ziemlich stabil. Braunkohle hat sich kaum geändert und Steinkohle hat etwa 20% verloren. Erdgas ist sehr uneinheitlich, weil es als letztes genutzt wird und die Schwankungen der anderen ausgleicht.
Was darf man für die Zukunft erwarten? Zwei Punkte sind ziemlich sicher: die Kernenergie wird zurückgehen und der Strom aus Biomasse nicht zunehmen. Es ist zweifelhaft, dass die Windenergie in den nächsten 5 Jahren so stark ausgebaut werden kann, dass sich die Stromproduktion verdoppelt. Der Strom aus Kernenergie wird wohl durch Strom aus Erdgas ersetzt werden. Für den Strom aus Braun- und Steinkohle ist wohl kaum eine Änderung zu erwarten. Dies bedeutet auch, dass der CO2-Ausstoss aus der Stromproduktion in den nächsten Jahren wohl eher zunehmen wird. Aber vielleicht kommt es auch ganz anders.

Schwelbrand im Lokalteil

Im grössten Giftmülllager der Welt in Herfa-Neurode schwelt seit Oktober ein Brand. Man weiss nicht genau, was in Brand geraten ist. Man vermutet Transportpaletten. Die Feuerwehr hat sich entschlossen, den Bereich luftdicht abzuschliessen und abzuwarten, bis das Feuer auf Grund von Sauerstoffmangel erlischt. Daran ist nichts zu kritisieren.
Was verwundert, ist das geringe Interesse in den Medien. Einige Moleküle Glyphosat im Bier bringen es auf die erste Seite der meisten Zeitungen und in die Fernsehnachrichten. In der grössten Giftmülldeponie der Welt brennt es und es reicht nur für den Lokalteil. Wie man sieht, geht es auch ohne aufgeregtes Hyperventilieren.

Where the hell is Herfa-Neurode?

Kaum jemand wird diesen Ort kennen. Hier betreibt Deutschland die grösste Untertagedeponie der Welt für Giftmüll. 2.7 Millionen Tonnen wurden bereits in dem Salzstock eingelagert und die Kapazität pro Jahr beträgt 200’000 Tonnen. Der Giftmüll wird üblicherweise mit LKWs gebracht. Er zersetzt sich im Gegensatz zu radioaktivem Müll nicht und muss für immer von der Umwelt abgetrennt werden. Niemand hält das für ein Problem zu halten. Der Müll stammt z. B. aus der Chemieindustrie.
Wo bleiben die Chemie-Nein danke-Aufkleber, die Blockaden der Giftmülltransporte, Aktionen von Greenpeace und den Grünen?
Wieso ist Giftmüll in Salzstöcken unproblematisch im Gegensatz zu radioaktivem Müll?
Dass die Deponie vom damaligen hessischen Umweltminister Joschka Fischer genehmigt wurde, wird es wohl nicht sein.

Und nun?

Ich bin in meinem Leben nur einmal in einem richtigen Bergwerk gewesen und zwar ca. 1980 in der Asse II. Wir waren auf 750 m Tiefe und haben uns das Atommülllager angeschaut. Dort liegt massenweise Krankenhausmüll und ähnliches. Es gab auch eine Anlage mit der die Graphitkugeln aus dem Hochtemperaturreaktor von der Erdoberfläche auf 1050 m gebracht werden sollten. Die Anlage war mit Gummikugeln gleicher Grösse getestet worden, aber dann lief die Einlagerungsgenehmigung aus und soviel ich weiss, liegen die Kugeln immer noch in Jülich.
2013 hat der Bundestag beschlossen, den Müll wieder rauszuholen. Das Umweltministerium wollte damit nach 2030 anfangen und rechnete mit Kosten von 10 Mrd. Euro. Jetzt hat die Strahlenschutzkommission einen Bericht für das Umweltministerium erstellt, wo nach das Zeug in der Asse vollkommen sicher gelagert ist und es besser für alle ist, wenn es da unten bleibt.
Und nun? Folgen wir den Empfehlungen der Strahlenschutzkommission oder den Empfehlungen des Bundestages mit der Folge einer höheren Strahlenbelastung?
Eine Person, die schon etwas an Demenz leidet, hatte mich, als ich ihr davon erzählte, spontan gefragt, wo man den Müll denn hinschaffen wolle.
Über dem Müll liegen etwa 700 m Salz. Dieses besteht aus Natriumchlorid und Kaliumchlorid. Kalium ist ein Isotopengemisch, dass immer auch Kalium-40 enthält und dieses ist radioaktiv. Jetzt kann man ausrechnen, wieviel radioaktives Material der Salzstock enthält. Das erstaunliche Ergebnis ist, dass das Salz mehr Radioaktivität enthält als der Müll. Wäre man konsequent, müsste man auch den Salzstock „zurückholen“. Jetzt beginnt es, absurd zu werden.
Da das Salz stark hydroskopisch ist, dringt immer etwas Wasser in den Salzstock ein. Pro Tag werden 2500 l Salzwasser abgepumpt. Als jetzt bekannt wurde, dass man das Wasser in die Elbe kippen wollte, erzeugte dies eine „Empörungswelle“. Das Wasser ist weniger radioaktiv als das Nordseewasser und die Elbe führt pro Tag im Schnitt 4-millionenmal mehr Wasser.

Warum lacht denn keiner?

Es gibt einen alten Witz, dass wenn man verhindern will, dass eine Entscheidung getroffen wird, man einen Ausschuss bildet und der produziert dann gleichnamigen.
Heute heissen Ausschüsse Kommissionen und eine Kommission hatte man gebildet, um einen Gesetzesvorschlag zu erarbeiten, wie man den atomaren Abfall endlagert. Der Anteil von Fachleuten (Geologen, Physiker etc.) ist sehr klein gehalten worden, weil Fachkenntnis ja bekanntlich zu Betriebsblindheit führt. Jetzt hat die Kommission ihren Bericht abgeliefert und es wurde ein Zeitplan bekannt. Die Suche nach einem geeigneten Ort soll 40 (in Worten: vierzig) Jahre dauern und in etwa 100 (in Worten: hundert) Jahren soll mit der Einlagerung begonnen werden. Das kann doch nur ein Witz sein. Was machen die denn die ganzen Jahre? Kratzen die ein Loch mit Teelöffeln ins Gestein?
Ich sträube mich gegen den Gedanken, dass Menschen noch Nebenabsichten haben.
Das Hauptargument gegen die Nutzung der Kernenergie ist die Frage der Endlagerung. Wenn man die Frage jedoch für mindestens noch 100 Jahre offenlässt, hat man weiterhin dieses Argument, falls sich die Einstellung künftiger Generationen zur Kernenergie ändert.