Archiv der Kategorie: Qualitätsjournalismus

Ungeeignet

Ich habe in der letzten Zeit wieder etwas Wissenschaftstheorie gelesen. Hauptsächlich Ludwik Fleck und Imre Lakatos. Ich frage mich, ob die überhaupt jemand kennt in Deutschland.
Er sollte eigentlich allgemein bekannt sein, dass man physikalische Theorien nicht beweisen kann. Journalisten scheint das nicht bekannt zu sein oder sie sind der Meinung, dass man dem Publikum (Naturwissenschaftprekariat sagt J. Kachelmann) solche schwierigen Dinge besser verschweigt.
Aber zu dem eigentlichen Gedanken, der mir beim Lesen gekommen ist.
Ich glaube, dass das menschliche Gehirn fantastisch gut geeignet ist, dass der Mensch mit der wandelnden Umwelt zurecht kommt. Daher auch mein Optimismus, was die Zukunft der Menschheit betrifft. Es war sicherlich in der Evolution ein Vorteil.
Vielleicht ist unser Gehirn aber garnicht geeignet, die Welt zu verstehen. Ein Gehirn, das die Welt versteht, war in der Evolution nicht von Nutzen, vielleicht sogar Ballast.

Netzzeit

In den letzen Tagen liefen die Backofenuhren 6 Minuten nach. Jetzt berichtet das Manager-Magazin und der Spiegel, dass das Problem in Kosovo und Serbien entstanden sei. Dadurch sei die durchschnittliche Frequenz von 50 Hz auf 49.95 Hz abgesunken und das hätte sich in 2 Monaten zu 6 Minuten addiert.
Rechnen wir mal schnell nach. Wenn die Frequenz 49.95 statt 50.00 ist, laufen die Uhren genau ein Tausendstel zu langsam. Um 6 Minuten zu erreichen, müssen also 6000 Minuten vergehen, bis 6 Minuten erreicht sind. Das sind etwa 4 Tage (6000 / 60 / 24), aber nicht 60 Tage.
Ich vermute mal, dass die Frequenz nur auf 49.995 Hz gefallen ist und es 40 Tage (= 6 Wochen) gedauert hat. Dann passen die Zahlen.
Gibt es bei Zeitungen eigentlich eine Qualitätskontrolle?

Fahrverbot?? Dann arbeite ich zuhause…

Im Rahmen der Debatte über Fahrverbote schrieb ein Journalist, dass man im Zeitalter des Internets ja nicht jeden Tag im Büro sein müsse. Das hört sich im ersten Moment gut an.
Was passiert heute, wenn jemand schneller arbeitet als seine Kollegen? Wenn die Kollegen das mitbekommen, könnte er ein Problem haben. In der Regel wird er einfach mehr Arbeit erledigen. Wenn er mittags bereits mit seinem Arbeitspensum fertig ist, wird der Chef ihm einfach neue Arbeit zuteilen oder er fragt Kollegen, ob er ihnen etwas abnehmen kann. Den Nachmittag im Büro sitzen ohne Arbeit ist schlimmer als Arbeiten.
Wenn die Leute aber zuhause arbeiten, wird jedem die gleiche Menge Arbeit zugeteilt. Der eine braucht bis spät in den Abend (2-Finger-Tipper), der andere (10-Finger-Tipper) ist um 14 Uhr fertig und geht mit seinen Kindern ins Schwimmbad.
Eines Tages fragt die Tochter des ersten: »Papi, warum arbeitest du immer solange? Hansis Vater ist immer schon um halb drei mit uns im Schwimmbad.»
Sind wir eine Leistungsgesellschaft, in der jeder nach seiner Leistung bezahlt wird? Sollte es überhaupt so sein?

Inversionschneelage?

Die deutschen alpinen Sportler (Abfahrt, Slalom, etc.) haben bei den olympischen Spielen diesmal keine Medaille geholt. Nach einer Meldung der Süddeutschen Zeitung ist daran auch der Klimawandel schuld.
Die erfolgreichste Sportart für die Deutschen war Biathlon.
Jetzt halten sich die Alpinen, zu mindestens beim Start, eher weiter oben auf. Die Biathleten sind eher weiter unten tätig.
Wie sollen wir das jetzt verstehen? Eine Erklärungsmöglichkeit wäre eine durch den Klimawandel verursachte Inversionsschneelage. Durch den Klimawandel gibt es oben auf den Bergen weniger Schnee, dafür aber unten im Tal mehr.

Kohle ist nicht gleich Kohle

Was haben Windenergie, Biomasse, Wasserkraft und Photovoltaik gemeinsam. Alle zählen zu den «Erneuerbaren Energien». Was haben Braunkohle und Steinkohle gemeinsam. Beide sind Kohlen und zählen zu den «konventionellen Energien». Falsch. Sie sind zwei vollkommen verschiedene Energieträger, die nichts gemeinsam haben. Dies ist zu berücksichtigen, wenn man eine Reihenfolge der grössten Energieträger aufstellt. Die richtige Reihenfolge ist: Erneuerbare, Braunkohle, Steinkohle.

Schwelbrand im Lokalteil

Im grössten Giftmülllager der Welt in Herfa-Neurode schwelt seit Oktober ein Brand. Man weiss nicht genau, was in Brand geraten ist. Man vermutet Transportpaletten. Die Feuerwehr hat sich entschlossen, den Bereich luftdicht abzuschliessen und abzuwarten, bis das Feuer auf Grund von Sauerstoffmangel erlischt. Daran ist nichts zu kritisieren.
Was verwundert, ist das geringe Interesse in den Medien. Einige Moleküle Glyphosat im Bier bringen es auf die erste Seite der meisten Zeitungen und in die Fernsehnachrichten. In der grössten Giftmülldeponie der Welt brennt es und es reicht nur für den Lokalteil. Wie man sieht, geht es auch ohne aufgeregtes Hyperventilieren.

Wenn der Nachbar den Strom liefert…

Im New Yorker Stadtteil Brooklyn haben Bewohner sich von Stromkonzernen unabhängig gemacht. Sie betreiben ihre eigene Solaranlage und versorgen auch andere Bürger mit Energie.
So beginnt ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung.
Wenn mal im Internet nachliesst, was dahintersteckt, so ist es eine private Handelsplattform mit der sich die Erzeuger gegenseitig den Strom verkaufen. Euphorisch sprechen einige Journalisten bereits davon, dass dies die Energiewelt revolutionieren könnte. Der Strom wird billiger und grüner und die Welt wird gerettet.
Jetzt gibt es neben dem Handel mit Strom auch noch die technische Seite. Die Erzeuger sind natürlich alle an das Netz der Stromfirmen angeschlossen und tauschen virtuell ihre Energien über dieses Stromnetz. Unabhängigkeit würde ich das nun nicht gerade nennen.
In einem Stromnetz gibt es immer Erzeuger und Verbraucher und die erzeugte und verbrauchte Elektrizität muss immer im Gleichgewicht sein. Da die Verbraucher, besonders private Haushalte, nicht steuerbar sind, muss die Erzeugung geregelt werden. Die Sonne lässt sich nun mal nicht regeln. Vor allem an wolkigen Tagen oder nachts funktioniert das System nicht. Was natürlich immer funktioniert, ist der Handel im Internet, auch wenn es eigentlich nichts zu handeln gibt.
Ich habe den Eindruck, dass man dort wieder nur eine weitere Möglichkeit gefunden hat, Geld zu verdienen nach dem Motto: «Ist der Handel noch so klein, bringt er doch mehr als Arbeit ein.»

Null Grenzkosten?

Nicht nur Journalisten, sondern sogar Professoren erzählen gerne, dass wir in 20 Jahren sehr billigen Strom haben werden, weil die Windturbinen keinen Brennstoff brauchen.
Gemäss der Daldorf-Studie setzen sich die Stromgestehungskosten zusammen aus etwa 25-30% Betriebskosten und 70-75% Kapitalkosten. Nach 20 Jahren sollten die Anlagen abgeschrieben sein und die Stromgestehungskosten sollten nur noch 25-30% betragen. Leider ist die Lebensdauer der Anlagen mit 20 Jahren auch erreicht. Wenn sie anfangen billigen, Strom zu produzieren, müssen die Anlagen leider abgerissen werden.

Wo sind sie denn?

In Fernsehsendungen hört man oft, dass die Energiewende von den Bürgern getragen wird und nicht von Konzernen. Jürgen Trittin erwähnt das gerne. Sie haben überall Bürgerwindparks gegründet. Ich habe mich schon immer gewundert, wieso ich noch nie angesprochen wurde, in einen Bürgerwindpark zu investieren. Brauchen die mein Geld nicht?
Jetzt hat der MDR mir die Lösung geliefert.
Im Bundesland Sachsen-Anhalt findet man 2700 Windenergie-Anlagen und einen einzigen Bürgerwindpark.