Archiv der Kategorie: Qualitätsjournalismus

Kohle ist nicht gleich Kohle

Was haben Windenergie, Biomasse, Wasserkraft und Photovoltaik gemeinsam. Alle zählen zu den «Erneuerbaren Energien». Was haben Braunkohle und Steinkohle gemeinsam. Beide sind Kohlen und zählen zu den «konventionellen Energien». Falsch. Sie sind zwei vollkommen verschiedene Energieträger, die nichts gemeinsam haben. Dies ist zu berücksichtigen, wenn man eine Reihenfolge der grössten Energieträger aufstellt. Die richtige Reihenfolge ist: Erneuerbare, Braunkohle, Steinkohle.

Schwelbrand im Lokalteil

Im grössten Giftmülllager der Welt in Herfa-Neurode schwelt seit Oktober ein Brand. Man weiss nicht genau, was in Brand geraten ist. Man vermutet Transportpaletten. Die Feuerwehr hat sich entschlossen, den Bereich luftdicht abzuschliessen und abzuwarten, bis das Feuer auf Grund von Sauerstoffmangel erlischt. Daran ist nichts zu kritisieren.
Was verwundert, ist das geringe Interesse in den Medien. Einige Moleküle Glyphosat im Bier bringen es auf die erste Seite der meisten Zeitungen und in die Fernsehnachrichten. In der grössten Giftmülldeponie der Welt brennt es und es reicht nur für den Lokalteil. Wie man sieht, geht es auch ohne aufgeregtes Hyperventilieren.

Wenn der Nachbar den Strom liefert…

Im New Yorker Stadtteil Brooklyn haben Bewohner sich von Stromkonzernen unabhängig gemacht. Sie betreiben ihre eigene Solaranlage und versorgen auch andere Bürger mit Energie.
So beginnt ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung.
Wenn mal im Internet nachliesst, was dahintersteckt, so ist es eine private Handelsplattform mit der sich die Erzeuger gegenseitig den Strom verkaufen. Euphorisch sprechen einige Journalisten bereits davon, dass dies die Energiewelt revolutionieren könnte. Der Strom wird billiger und grüner und die Welt wird gerettet.
Jetzt gibt es neben dem Handel mit Strom auch noch die technische Seite. Die Erzeuger sind natürlich alle an das Netz der Stromfirmen angeschlossen und tauschen virtuell ihre Energien über dieses Stromnetz. Unabhängigkeit würde ich das nun nicht gerade nennen.
In einem Stromnetz gibt es immer Erzeuger und Verbraucher und die erzeugte und verbrauchte Elektrizität muss immer im Gleichgewicht sein. Da die Verbraucher, besonders private Haushalte, nicht steuerbar sind, muss die Erzeugung geregelt werden. Die Sonne lässt sich nun mal nicht regeln. Vor allem an wolkigen Tagen oder nachts funktioniert das System nicht. Was natürlich immer funktioniert, ist der Handel im Internet, auch wenn es eigentlich nichts zu handeln gibt.
Ich habe den Eindruck, dass man dort wieder nur eine weitere Möglichkeit gefunden hat, Geld zu verdienen nach dem Motto: «Ist der Handel noch so klein, bringt er doch mehr als Arbeit ein.»

Null Grenzkosten?

Nicht nur Journalisten, sondern sogar Professoren erzählen gerne, dass wir in 20 Jahren sehr billigen Strom haben werden, weil die Windturbinen keinen Brennstoff brauchen.
Gemäss der Daldorf-Studie setzen sich die Stromgestehungskosten zusammen aus etwa 25-30% Betriebskosten und 70-75% Kapitalkosten. Nach 20 Jahren sollten die Anlagen abgeschrieben sein und die Stromgestehungskosten sollten nur noch 25-30% betragen. Leider ist die Lebensdauer der Anlagen mit 20 Jahren auch erreicht. Wenn sie anfangen billigen, Strom zu produzieren, müssen die Anlagen leider abgerissen werden.

Wo sind sie denn?

In Fernsehsendungen hört man oft, dass die Energiewende von den Bürgern getragen wird und nicht von Konzernen. Jürgen Trittin erwähnt das gerne. Sie haben überall Bürgerwindparks gegründet. Ich habe mich schon immer gewundert, wieso ich noch nie angesprochen wurde, in einen Bürgerwindpark zu investieren. Brauchen die mein Geld nicht?
Jetzt hat der MDR mir die Lösung geliefert.
Im Bundesland Sachsen-Anhalt findet man 2700 Windenergie-Anlagen und einen einzigen Bürgerwindpark.

Wenn die Temperatur um 4°C steigt, …

stehen mir die Haare (nun gut, viele sind es nicht mehr) zu Berge.
Vor etwa 50 Jahren habe ich in der Schule gelernt, dass man Temperaturen in °Celsius oder in Kelvin angibt. Temperaturdifferenzen werden jedoch nur in Kelvin (abgekürzt K) angeben.
Journalisten wissen es entweder nicht oder sie haben entschieden, dass ihre Leser zu dumm dazu sind.
Bei Zeitangaben ist es im Deutschen dagegen vollkommen normal, dass andere Einheiten benutzt werden. Jedermann sieht ein, dass es ein Unterschied ist, ob man einen Marathon unter 2 Stunden oder vor 2 Uhr beendet. Die Zeit messen wir in «Uhr», den Zeitunterschied in «Stunden» und bei der Temperatur sind wir für sowas zu blöd?

Proliferation

Wer weiss, was Proliferation ist?
Proliferation ist im Rüstungsbereich die Bezeichnung für die Weiterverbreitung bzw. die Weitergabe von Massenvernichtungswaffen (aus Wikipedia).
Heute heisst es dazu in der FR: «Darüber hinaus bergen sowohl Kernfusion, als auch neue Reaktortypen, die Gefahr der Proliferation. »
Der Artikel ist ein Gastartikel von Frau Sylvia Kotting-Uhl. Im Artikel geht es auch um das Fusionsreaktorprojekt ITER. Jetzt kann man durchaus diskutieren, ob die Kernfusion sinnvoll ist und jemals zum Ziel führen wird. Auch ich habe da meine Zweifel. Wie man aber aus einem Fusionsreaktor eine Massenvernichtungswaffe macht, dass hätte ich doch gern von Frau Sylvia Kotting-Uhl erklärt bekommen. Ich freute mich schon auf ein physikalisches Fachgespräch, bis ich las, das Frau Kotting-Uhl Germanistik, Anglistik und Kunstgeschichte studiert hat.
Wie macht man das eigentlich mit Gastartikeln? Werden die Inhalte überprüft?

Vorbild Naturstrom?

Ich sah auf 3SAT eine Sendung, in der zuerst zum zigsten Male wiederholt wurde, dass RWE die Energiewende verschlafen habe. Dann wurde der RWE die Naturstrom AG als leuchtendes Vorbild hingestellt. Also habe ich mir den Geschäftsbericht von Naturstrom AG mal angeschaut.
Die Firma produzierte mit ihren Windturbinen und Photovoltaik-Anlagen etwa 53 Mio. kWh. RWE produziert 213000 Mio. kWh. Das ist etwa 4000mal so viel.
Naturstrom AG ist aber eigentlich kein Stromproduzent, sondern ein Stromhändler (Zitat meines Opas: «und ist der Handel noch so klein, so bringt er doch mehr als Arbeit ein.»).
Mit ihrer verkauften Strommenge erreichen sie immerhin 0.3% bei von RWE produzierten und verkauften Strommenge. Was machen sie anders als RWE? Während bei RWE der Strom hauptsächlich aus Braunkohle, Steinkohle und Kernenergie stammt, sind es bei Naturstrom 81.2% Wasser, 17.5% Wind und 1.3% Photovoltaik. Warum macht es RWE nicht wie Naturstrom? Wenn RWE den gleichen Mix verkaufen wollte, gebe es zwei Probleme. Erstens gibt es gar nicht genug Strom aus Wasserkraft. Naturstrom kauft bereits in Österreich ein. Zweitens wo bleiben wir mit dem Strom aus Solaranlagen? Selbst der grösste Ökostromanbieter scheint diesen Strom nicht haben zu wollen bzw. hält ihn für unverkäuflich.

Die Milch, und Metaphern sind Glücksache

Die FR zitierte heute die FAZ mit folgendem Satz:
„Die Milch fliesst so konstant, wie Quellen sprudeln und Windmühlen sich drehen.“
Weder dem Verfasser bei der FAZ noch dem Zitierenden bei FR ist die falsche Metapher aufgefallen. Quellen sprudeln meistens nicht konstant. Nach heftigem Regen sprudeln sie mehr und manchmal versiegen sie sogar in grosser Trockenheit. Wenn sich Windmühlen konstant drehen würden, wäre ein Hauptproblem der Energiewende gelöst.
Es ging in dem Kommentar um die Überproduktion bei der Milch und die dadurch niedrigen Preise.
Hier liegt eigentliche eine klassische Marktsituation vor. Es wird mehr produziert, als nachgefragt wird. Der Preis sinkt und einige Produzenten werden aufgegeben müssen.
Bei vielen Berufen, die heute so gut wie verschwunden sind, wie Schuster, Bäcker, Schneider, Müller, hat man den Markt einfach wirken lassen.
Bei den Bauern ist das etwas anderes. Sofort sind Politiker bereit, den Bauern mit zig Millionen Euro zu helfen.
Was ist besonders an den Bauern, dass für sie andere Regeln gelten? Es gibt heute zu wenig Bauern, als dass ihre Wählerstimmen entscheidend sein könnten. In alten Zeiten war die Landwirtschaft notwendig, um die Bevölkerung zu ernähren. Mit kaputten Schuhen kann man leben, ohne etwas zu essen nicht. Nur mit einer Landwirtschaft, die eine autarke Versorgung der Bevölkerung sicher stellen kann, liess sich als Nationalstaat ein Krieg gegen die Nachbarstaaten führen.
In der heutigen globalen Vernetzung ist das eigentlich ein Anachronismus.

Vorhersagen

Die Zukunft ist nicht voraussagbar. Doch scheint es dem Menschen ein grosses Bedürfnis zu sein, die Zukunft vorherzusagen. Natürlich sind die meisten Vorhersagen negativ. Aber glücklicherweise treffen sie praktisch nie ein.
Wenn man eine Vorhersage machen will, extrapoliert man von heute in die Zukunft. Wenn die Voraussage richtig sein soll, muss man die dahinterliegenden Gesetzmässigkeiten kennen. In den meisten Fällen, besonders, wenn menschliches Verhalten involviert ist, kennt man diese Gesetzmässigkeiten aber nicht.
Dass Voraussagen richtig sind, lässt sich in der Regel nicht beweisen, aber dass sie wahrscheinlich falsch sind manchmal schon.
Ein Beispiel soll es verdeutlichen. Im Jahre 2015 ist die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien um etwa 5% angewachsen. Ein schlauer Journalist hat diese 5% einfach mal extrapoliert und ist zu dem Schluss gekommen, dass man mit dieser Steigerungsrate bereits 2018 die für frühestens für 2025 angestrebten 45% aus erneuerbaren Energien erreichen würde.
Warum ist es zu dieser Steigerung gekommen? 2015 war ein extremes Windjahr. Im ganzen Jahr hat sich fast nie eine stabile Hochdruckwetterlage gebildet. Stattdessen herrschte häufig Westwind-Wetterlage.
Diese führte dazu, dass die Windturbinen ein Drittel mehr Strom produzierten als in den Jahren zuvor. Statt der typischen 1500 Volllaststunden wurden über 2000 Volllaststunden erreicht. Wenn man noch 14 Jahre weiter extrapoliert, laufen die Windturbinen im Jahr 2030 mehr Stunden, als das Jahr hat.
Es wäre nicht ungewöhnlich, wenn die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien dieses Jahr abnimmt. Die Extrapolation würde dann nicht nur ergeben, dass man die Ziele der Energiewende nie erreicht, weil sich die Windturbinen irgendwann überhaupt mehr drehen. Man müsste sogar Kraftwerke bauen, um die Windturbinen zu drehen.