Archiv der Kategorie: Energiewende

Trotzdem oder weil?

Gestern sah ich in der Zeitung eine Todesanzeige für den Klimaschutz vom Bündnis Bürgerenergie.
Es werden die Vorteile der Energiewende erwähnt und hier stehen an erster Stelle die 330’000 Arbeitsplätze, die durch die Energiewende geschaffen wurden.
Wenn ich eine Firma habe und mehr Leute einstellen will, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ich kann mehr produzieren und hoffentlich auch mehr verkaufen. Natürlich kann man mit mehr Leuten auch die gleiche Menge produzieren, indem man einfach die Produktivität senkt. Man verkauft den Bagger und kauft viele Schaufeln. Man könnte auch grosse Windturbinen verbieten und nur kleine erlauben. Denn das schafft noch mehr Arbeitsplätze.
Durch die Energiewende wird nicht mehr Strom produziert als vorher. Aber es sind 330’000 Arbeitskräfte mehr nötig. Es muss also mehr Arbeit aufgewandt werden für das gleiche Ergebnis. Das bedeutet aber, dass die Produktivität gesunken ist. Eine sinkende Produktivität erhöht aber den Preis für das Produkt. Gleichzeitig sinkt aber der Anteil der Rohstoffkosten, was die Produktivitätssenkung kompensiert, aber wohl nur teilweise, denn es bleiben 24 Milliarden Euro EEG-Zulage als Defizit übrig.
Man könnte so argumentieren, dass die 24 Milliarden Euro eben zur Schaffung von 330’000 Arbeitsplätzen gebraucht werden. Das macht dann 73’000 Euro pro Arbeitsplatz und Jahr.
Man kann natürlich sagen, dass das Ganze trotzdem Sinn macht, aber eben «trotzdem» nicht «weil».

Risikolose Windparkbeteiligung…

In der Frankfurter Rundschau wurde berichtet, dass sich Bürger an Windparks beteiligen können und dafür eine garantierte Verzinsung von 5% erhalten.
Bei einem Windpark erhalten normalerweise alle Beteiligten (Landeigentümer, Projektentwickler, Geschäftsführer, etc.) einen garantierten Anteil der Einnahmen und meistens eine garantierte Mindestsumme. Das Risiko bleibt bei den Investoren und die schauen bei 2 Drittel der Projekte in die Röhre. Wie funktioniert das beim Windpark Köhlen, der als Beispiel genannt wurde?
Es durften sich 130 Bürger aus der Nachbarschaft mit durchschnittlich 11 000 Euro beteiligen. Sie sind damit mit 1,43 Mio. Euro beteiligt. Damit scheiden sie schon mal als Kläger gegen den Windpark aus. Sie erhalten auf ihre Beteiligungen 5% Zinsen, d.h. 550 Euro pro Jahr. Alle zusammen 71 500 Euro.
Der Windpark besteht aus 16 Windturbinen mit einer gesamten Nennleistung von 48.8 MW. Die Gesamtinvestitionssumme wird nicht genannt. Sie dürfte bei über 60 Mio. Euro liegen. Die Beteiligung der Bürger liegt also in der Größenordnung von 2%.
Die Einnahmen des Windparks dürften bei etwa 6 Mio. Euro pro Jahr liegen. Davon erhalten die Landeigentümer als Pacht üblicherweise 8% = 480 000 Euro. Dafür stellen sie etwa 10 000 m2 zur Verfügung. Der Quadratmeterpreis liegt bei ca. 3 Euro. Die Landeigentümer «investieren» also Land im Wert von 30 000 Euro und erhalten dafür 480 000 Euro Zinsen im Jahr. Die Bürger investieren 1.43 Mio Euro und erhalten 71 500 Euro Zinsen.
Die Bürger lassen sich für `n Appel und `n Ei ihr Klagerecht abkaufen.
Wer trägt also in diesem Fall, das Risiko falls der Wind nicht ausreichend weht. Hinter der Projektgesellschaft stehen zwei Gesellschafter und der eine Gesellschafter ist die EWE, der regionale Energieversorger im Nordwesten. Die Besitzer der EWE sind die Städte und Kommunen im Nordwesten Deutschland. Das Risiko tragen also die Stromverbraucher oder die Steuerzahler.

Zweierlei Maß…

Die Besitzer des Gas-und Dampfkraftwerkes Irsching möchten das Kraftwerk gerne stilllegen. Der Übertragungsbetreiber Tennet lässt dies aber nicht zu. Für schwierige Netzsituationen muss das Kraftwerk weiter zur Verfügung stehen. Dem Betreiber bekommt seine Kosten aber nicht vollständig ersetzt. Er gibt einen zweistelligen Millionenbetrag als Verlust an. Per Gesetz wird hier also eine Firma gezwungen, Verluste zu machen.
Da in Bayern ja demnächst die Kernkraftwerke abgeschaltet werden, muss Bayern den größten Teil seines Stromverbrauches importieren. Um einen Blackout zu vermeiden, hat die Bundesnetzagentur entschieden, dass 1200 MW Gaskraftwerke gebaut werden sollen. Die Kraftwerke sollen von den Übertragungsnetzbetreibern gebaut und betrieben werden. Ihre Kosten können vollständig über die Netzentgelte umgelegt werden.
Man könnte sich jetzt fragen, warum Irsching nicht die Funktion der neuen Gaskraftwerke übernehmen kann. Es befindet sich nicht am richtigen Ort.

Trugschluss

Die Agora Energiewende zeigt in ihrer Studie, dass in den letzten 4 Jahren sich die neuinstallierte Leistung in 60% für Erneuerbare und 40% für konventionelle Energien aufteilt.
Der unbedarfte Leser könnte zu dem Schluss verleitet werden, dass dann in der Zukunft irgendwann 60% des Stroms aus den Erneuerbaren kommt. Dies ist ein Trugschluss.
Die produzierte Strommenge ist nicht einfach proportional zur installierten Leistung. Windturbinen schaffen in Deutschland etwa 1500 Volllaststunden, Solarpanels etwa 900 Stunden. Kernkraftwerke laufen etwa 8000 Stunden pro Jahr.
Interessant ist nur die produzierte Strommenge. Die Zahlen sind also bedeutungslos, aber warum werden sie immer wieder genannt?

Vorhersagen

Die Studie der Agora Energiewende besteht fast nur aus Vorhersagen. Es wird die Entwicklung des Klimawandels, die Entwicklung der Kosten und vieles mehr mit einer großen Gewissheit vorhergesagt.
Als Hobby-Philosoph fühlt man sich an Philosophen erinnert, die glaubten, dass sich die Geschichte gesetzmässig entwickelt. Steckt eventuell der Hegelsche objektive Weltgeist dahinter?
Plötzlich kommt jedoch ein Absatz, in dem es heißt, dass alle bisherigen Vorhersagen über die Preisentwicklungen der konventionellen Brennstoffe, die bisher als faktische Naturgesetze galten, hinfällig sind.
Auf die Idee, dass auch die anderen Vorhersagen irgendwann mal hinfällig sind, kommen die Autoren nicht.

Hagel

Die Agora Energiewende hat wieder eine Studie zur Energiewende herausgebracht. Damit keiner vergisst, warum man das Ganze macht, kommt am Beginn erstmal der Hinweis, dass die Extremwetterereignissse zunehmen.
Der Weltklimarat IPPC hat in seinem letzten Bericht geschrieben, dass es Gegenden gibt, in denen es mehr extreme Wetterereignisse gibt und andere Gegenden, wo es weniger gibt. Eine eindeutige Tendenz ist nicht erkennbar.
Nun leben Wissenschaftler ja in ihren Elfenbeintürmen und daher vertraut die Agora Energiewende lieber auf eine Versicherung wie die MunichRe.
Das erinnert mich an einen Witz, den ich als Kind gehört habe. Sagt der Bauer zu seinem Nachbarn: „Ich habe jetzt eine Hagelversicherung abgeschlossen.“ Der andere Bauer schaut verdutzt, kratzt sich am Bart und antwortet:“ Gut, aber wie macht du denn Hagel?“
Es wäre mal interessant zu untersuchen, ob eine Korrelation zwischen Versicherungsverträgen und Schäden gibt.

CO2

Ich habe unsere Energieverbrauchsabrechnung bekommen und will jetzt mal berechnen wie viel CO2 wir eigentlich so ausstossen.
Unser Gas verbrauch lag bei 19’000 kWh, was knapp 1400 kg Gas entspricht. Daraus entstehen ca. 4000 kg CO2.
Ausserdem haben wir 2200 kWh Strom verbraucht. Wenn man den deutschen Strommix zugrunde legt, haben wir hiermit ca. 1300 kg CO2 verursacht.
Mit dem Auto sind wir etwa 6000 km gefahren und haben damit ca. 360 l Benzin verbraucht. Dadurch kamen aus dem Auspuff etwa 830 kg CO2.
Wir können aber auch das Atmen nicht sein lassen. Dieser Ausstoss hängt aber sehr stark von der körperlichen Aktivität ab. Ich schätze mal, dass wir beide zusammen etwa 500 kg CO2 ausgeatmet haben.

WodurchWieviel [kg]Wieviel [%]
Gasheizung400060
Strom130020
Autofahren83013
Atmen5007
Summe6630100

Jetzt für umme…

Update: Ein Link zu einem Artikel zum gleichen Thema: http://bizzenergytoday.com/die_offshore_sensation_und_ihre_fallstricke

Die Bundesnetzagentur hat die Ergebnisse der ersten Auktionen für Windkraftanlagen auf See bekanntgegeben. Der größte Teil ging an Anbieter, die auf eine EEG-Förderung verzichten. Bei einigen Journalisten ist eine kleine Euphorie ausgebrochen über die dramatisch gesunkenen Kosten der Windenergie auf See und selbst Kritiker, die Windenergie auf See für zu teuer hielten, werden zu Fans.
Der erste Fehler, der hier gemacht wird, ist, dass von Preisen und die wurden hier angeboten, auf Kosten geschlossen wird. Kosten spielen manchmal eine untergeordnete Rolle bei der Preisbestimmung.
Interessant war die Aussage eines Anbieters, dass er 2021 entscheiden wird, ob er die Anlagen bauen wird.
Man kann über die Hintergründe nur spekulieren. Zuerst aber die Tatsachen. Die jetzt vergebenen Anlagen gehen 2025 ans Netz. Das bedeutet, dass die Bauarbeiten frühestens 2023, also in 6 Jahren beginnen. Was bedeutet es, wenn die Anbieter sich entscheiden, die Anlagen nicht zu bauen? Im EEG findet man nichts zu Windenergie auf See. Es gibt dafür ein eigenes Gesetz: Gesetz zur Entwicklung und Förderung der Windenergie auf See (WindSeeG). Die Anbieter müssen eine Sicherheit leisten von 200 Euro pro kW zu installierender Leistung, bei 800 MW sind dies 160 Mio. Euro. Dies hört sich viel an, ist aber wohl nur in der Größenordnung von 5% der Investitionssumme. Wenn die Anlagen nicht gebaut werden, verfallen die Sicherheiten zur Strafe. Das ist ein einfach zu kalkulierendes Risiko.
Die Anbieter wollten sichergehen, dass sie den Zuschlag bekommen und waren bereit, das Risiko einzugehen.
Da sie ja keine Förderung aus dem EEG-Gesetz (bzw. WindSeeG) bekommen, müssen sie mit den Einnahmen aus dem Strommarkt auskommen. Zurzeit ist der Strompreis bei ca. 30-35 Euro pro MWh. Dies reicht auf keinen Fall. Die Anbieter machen also Annahmen, wie sich der Strompreis an der Börse in den nächsten Jahren entwickeln wird. Bis zur Investitionsentscheidung gehen die letzten Kernkraftwerke vom Netz und es werden einige Braunkohle- und Steinkohlekraftwerke geschlossen. Damit kommen mehr Gaskraftwerke zum Einsatz und der Strompreis könnte sich durchaus verdoppeln.
Ein anderer Aspekt könnte sein, dass sowohl die dänische DONG Energy als auch die deutsche EnBW sich faktisch in Staatsbesitz bzw. unter Staatskontrolle befinden und daher wirtschaftliche Erwägungen hinter politischen Entscheidungen zurückstehen müssen.

…und sie drehen sich doch!

In einem Stromversorgungssystem müssen Spannung und Frequenz stabil gehalten, weil viele Verbraucher sonst nicht einwandfrei funktionieren. Bei der Spannung kann man etwas grosszügiger sein, aber die Frequenz ist sehr kritisch.
Die Frequenz ist nur stabil, wenn die Erzeugung und der Verbrauch im Gleichgewicht sind. Kritisch ist die Situation des Leistungsmangels. Wenn plötzlich Erzeugungseinheiten ausfallen, fällt die Frequenz. Die Last bremst das System runter und dies geschieht in Sekunden.
Es sind drei Effekte mit dem man entgegen wirkt. Die Leistung der am Netz laufenden Erzeuger wird erhöht. Dies dauert aber aus physikalischen Gründen etwas. Es muss mehr gefeuert werden oder Ventile müssen geöffnet werden. Das Wasser oder der Dampf müssen durch die Turbinen fließen.
Zweitens gibt es einen Selbstregeleffekt. Wenn die Frequenz fällt, laufen Motoren langsamer und damit sinkt die Last für das System. Der Effekt ist aber nicht stark genug, um das System aufzufangen.
Der dritte Effekt kommt durch die rotierenden Massen der Turbinen und Generatoren. In ihnen ist Rotationsenergie gespeichert. Wenn die Frequenz sinkt, sinkt auch die Rotationsenergie. Die freiwerdende Energie wird dem System und damit den Verbrauchern zugeführt. Da die Generatoren über das magnetische Feld starr an die Netzfrequenz gekoppelt sind, tritt dieser Effekt sofort ohne die geringste Verzögerung ein.
Das europäische Netz ist so ausgelegt, dass es einen Ausfall von 3 GW vertragen kann. Nur mit den rotierenden Massen lässt sich ein konventionelles System ca. 10 Sekunden nur mit der sinkenden Rotationsenergie im sicheren Betrieb halten. Die Frequenz sinkt zwar ab, aber es bricht nicht zusammen.
Die Solaranlagen und die Windkraftanlagen liefern bisher keinen derartigen Beitrag. (Bei Windkraftanlagen gibt es Ideen, wie man es simulieren kann.)
Die Netzbetreiber haben nun analysiert, wie viel konventionelle Anlagen (Kern-, Kohle- oder Gaskraftwerke) am Netz bleiben müssen, um eine stabile Versorgung wie bisher sicherzustellen.
Das Ergebnis sind 16 GW. Diese Tatsache ist zu berücksichtigen, wenn man den Ausstieg aus Kern- und Kohlekraftwerken fordert. Ich bezweifle jedoch, dass dies bekannt ist.