Archiv für den Monat: März 2016

Vorhersagen

Die Zukunft ist nicht voraussagbar. Doch scheint es dem Menschen ein grosses Bedürfnis zu sein, die Zukunft vorherzusagen. Natürlich sind die meisten Vorhersagen negativ. Aber glücklicherweise treffen sie praktisch nie ein.
Wenn man eine Vorhersage machen will, extrapoliert man von heute in die Zukunft. Wenn die Voraussage richtig sein soll, muss man die dahinterliegenden Gesetzmässigkeiten kennen. In den meisten Fällen, besonders, wenn menschliches Verhalten involviert ist, kennt man diese Gesetzmässigkeiten aber nicht.
Dass Voraussagen richtig sind, lässt sich in der Regel nicht beweisen, aber dass sie wahrscheinlich falsch sind manchmal schon.
Ein Beispiel soll es verdeutlichen. Im Jahre 2015 ist die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien um etwa 5% angewachsen. Ein schlauer Journalist hat diese 5% einfach mal extrapoliert und ist zu dem Schluss gekommen, dass man mit dieser Steigerungsrate bereits 2018 die für frühestens für 2025 angestrebten 45% aus erneuerbaren Energien erreichen würde.
Warum ist es zu dieser Steigerung gekommen? 2015 war ein extremes Windjahr. Im ganzen Jahr hat sich fast nie eine stabile Hochdruckwetterlage gebildet. Stattdessen herrschte häufig Westwind-Wetterlage.
Diese führte dazu, dass die Windturbinen ein Drittel mehr Strom produzierten als in den Jahren zuvor. Statt der typischen 1500 Volllaststunden wurden über 2000 Volllaststunden erreicht. Wenn man noch 14 Jahre weiter extrapoliert, laufen die Windturbinen im Jahr 2030 mehr Stunden, als das Jahr hat.
Es wäre nicht ungewöhnlich, wenn die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien dieses Jahr abnimmt. Die Extrapolation würde dann nicht nur ergeben, dass man die Ziele der Energiewende nie erreicht, weil sich die Windturbinen irgendwann überhaupt mehr drehen. Man müsste sogar Kraftwerke bauen, um die Windturbinen zu drehen.