Archiv für den Monat: Mai 2016

Lang oder kurz?

Um jetzt die 100’000 Euro-Frage: Was ist gefährlicher: radioaktiver Müll mit kurzer Halbwertszeit oder mit langer Halbwertszeit?
Nehmen wir an, dass ich 1 kg radioaktives Material habe.
Fall A: die Halbwertszeit beträgt 1 Minute. Innerhalb einer Stunde ist praktisch nichts mehr von dem ursprünglichen Material erhalten und ich kann beruhigt sein. Dummerweise hat das Material bei seinem Zerfall in dieser kurzen Zeit, alle Strahlung abgegeben und ich kann nicht beruhigt sein, wenn ich in der Nähe war und die gesamte Strahlung abbekommen habe.
Fall B: die Halbwertszeit beträgt 24’000 Jahre. In den nächsten 60 Jahren werden 1.7 g zerfallen und eine Strahlendosis erzeugen, mit der mein Körper hoffentlich fertig wird.

I had a dream…

Die Leute bei E.ON, RWE, Vattenfall und ENBW haben eingesehen, dass das Verbrennen von Kohle unmoralisch ist. Sie haben heute Nacht alle Kohlekraftwerke abgeschaltet, die Software der Kraftwerksteuerung gelöscht, alle Leitungen gekappt, abgeschlossen und die Schlüssel weggeworfen. Sie wollen alle auf Biobauer umschulen.

Proliferation

Wer weiss, was Proliferation ist?
Proliferation ist im Rüstungsbereich die Bezeichnung für die Weiterverbreitung bzw. die Weitergabe von Massenvernichtungswaffen (aus Wikipedia).
Heute heisst es dazu in der FR: «Darüber hinaus bergen sowohl Kernfusion, als auch neue Reaktortypen, die Gefahr der Proliferation. »
Der Artikel ist ein Gastartikel von Frau Sylvia Kotting-Uhl. Im Artikel geht es auch um das Fusionsreaktorprojekt ITER. Jetzt kann man durchaus diskutieren, ob die Kernfusion sinnvoll ist und jemals zum Ziel führen wird. Auch ich habe da meine Zweifel. Wie man aber aus einem Fusionsreaktor eine Massenvernichtungswaffe macht, dass hätte ich doch gern von Frau Sylvia Kotting-Uhl erklärt bekommen. Ich freute mich schon auf ein physikalisches Fachgespräch, bis ich las, das Frau Kotting-Uhl Germanistik, Anglistik und Kunstgeschichte studiert hat.
Wie macht man das eigentlich mit Gastartikeln? Werden die Inhalte überprüft?

Teure Endlagerung (?)

Es sind jetzt für den Rückbau der Nuklearanlagen und die Lagerung des Abfalls 43 Mrd. Euro im Gespräch und es wird immer wieder betont, welch exorbitant hohe Summe das sei. Natürlich «muss eine alte Frau lange dafür stricken», aber 43 Mrd. Euro reichen nicht mal 2 Jahre aus, um die EEG-Zulage zu zahlen.
Okay, mit der EEG-Zulage wird ja auch die Welt gerettet.

Vorbild Naturstrom?

Ich sah auf 3SAT eine Sendung, in der zuerst zum zigsten Male wiederholt wurde, dass RWE die Energiewende verschlafen habe. Dann wurde der RWE die Naturstrom AG als leuchtendes Vorbild hingestellt. Also habe ich mir den Geschäftsbericht von Naturstrom AG mal angeschaut.
Die Firma produzierte mit ihren Windturbinen und Photovoltaik-Anlagen etwa 53 Mio. kWh. RWE produziert 213000 Mio. kWh. Das ist etwa 4000mal so viel.
Naturstrom AG ist aber eigentlich kein Stromproduzent, sondern ein Stromhändler (Zitat meines Opas: «und ist der Handel noch so klein, so bringt er doch mehr als Arbeit ein.»).
Mit ihrer verkauften Strommenge erreichen sie immerhin 0.3% bei von RWE produzierten und verkauften Strommenge. Was machen sie anders als RWE? Während bei RWE der Strom hauptsächlich aus Braunkohle, Steinkohle und Kernenergie stammt, sind es bei Naturstrom 81.2% Wasser, 17.5% Wind und 1.3% Photovoltaik. Warum macht es RWE nicht wie Naturstrom? Wenn RWE den gleichen Mix verkaufen wollte, gebe es zwei Probleme. Erstens gibt es gar nicht genug Strom aus Wasserkraft. Naturstrom kauft bereits in Österreich ein. Zweitens wo bleiben wir mit dem Strom aus Solaranlagen? Selbst der grösste Ökostromanbieter scheint diesen Strom nicht haben zu wollen bzw. hält ihn für unverkäuflich.

Die Milch, und Metaphern sind Glücksache

Die FR zitierte heute die FAZ mit folgendem Satz:
„Die Milch fliesst so konstant, wie Quellen sprudeln und Windmühlen sich drehen.“
Weder dem Verfasser bei der FAZ noch dem Zitierenden bei FR ist die falsche Metapher aufgefallen. Quellen sprudeln meistens nicht konstant. Nach heftigem Regen sprudeln sie mehr und manchmal versiegen sie sogar in grosser Trockenheit. Wenn sich Windmühlen konstant drehen würden, wäre ein Hauptproblem der Energiewende gelöst.
Es ging in dem Kommentar um die Überproduktion bei der Milch und die dadurch niedrigen Preise.
Hier liegt eigentliche eine klassische Marktsituation vor. Es wird mehr produziert, als nachgefragt wird. Der Preis sinkt und einige Produzenten werden aufgegeben müssen.
Bei vielen Berufen, die heute so gut wie verschwunden sind, wie Schuster, Bäcker, Schneider, Müller, hat man den Markt einfach wirken lassen.
Bei den Bauern ist das etwas anderes. Sofort sind Politiker bereit, den Bauern mit zig Millionen Euro zu helfen.
Was ist besonders an den Bauern, dass für sie andere Regeln gelten? Es gibt heute zu wenig Bauern, als dass ihre Wählerstimmen entscheidend sein könnten. In alten Zeiten war die Landwirtschaft notwendig, um die Bevölkerung zu ernähren. Mit kaputten Schuhen kann man leben, ohne etwas zu essen nicht. Nur mit einer Landwirtschaft, die eine autarke Versorgung der Bevölkerung sicher stellen kann, liess sich als Nationalstaat ein Krieg gegen die Nachbarstaaten führen.
In der heutigen globalen Vernetzung ist das eigentlich ein Anachronismus.

Biomasse und wie weiter?

Wenn ich mit dem Rennrad durch die niedersächsische Tiefebene fahre, fallen mir häufig die grossen Tanks auf den Bauernhöfen auf. Sie gehören zu den Biomasse-Kraftwerken, von Kritikern auch als Nahrungsmittel-Kraftwerke bezeichnet, weil sie häufig Mais verbrauchen.
Diese Anlagen sind inzwischen das ungeliebte Kind der Energiewende. Deshalb wird nur noch über Wind und Sonne gesprochen. Sie lieferten aber für einige Jahre den Hauptanteil des EE-Stromes, da sie auch nachts und bei Flaute laufen. Sie kassierten auch einen grossen Anteil der EEG-Zulage, zuletzt ca. 6 Milliarden Euro.
Die Gewinnung von Strom aus Biomasse ist sehr teuer. Denn im Gegensatz zu Windturbinen und Solarpanels haben Biomasse-Kraftwerke Brennstoffkosten. Was passiert mit den Biomasse-Kraftwerken, wenn die Förderung ausläuft?
Das Deutsche Biomasseforschungszentrum geht davon aus, dass ab 2022 die Biomasse-Anlagen, die aus der Förderung fallen, abgeschaltet werden. Sie erwarten für 2035 einen Rückgang auf 1000 MW von jetzt 8700 MW. Entsprechend geht auch die Stromproduktion zurück.
Was bedeutet das für die Energiewende? Es gibt das sogenannte Szenario B 2034. Dieses beschreibt die installierte Leistung in Deutschland im Jahre 2034 und ist die Planungsunterlage für den Netzausbau.
Wenn man die installierte Leistung mit den erreichbaren Volllaststunden multipliziert, erhält man die Strommengen, die die Erneuerbaren 2034 liefern können. Den Rest müssen dann Braunkohle, Steinkohle und Erdgas liefern. Im Szenario 2034 ist keine Reduzierung der installierten Biomasse-Leistung vorgesehen. Dann bringen die Erneuerbaren 51.4% und die konventionellen 48.6%. Wenn man jedoch annimmt, dass die Biomasse-Anlagen zurückgehen, bleiben noch 43.2% für die Erneuerbaren und die konventionellen müssen 56.8% liefern.
Der eigentliche Grund für die Energiewende ist ja die Einsparung von CO2-Emissionen. Im Jahre 2014 lieferten Braunkohle, Steinkohle und Erdgas 52% des Stromes. Es müssen also viele Biomasse- weiterlaufen, wenn der Anteil der Kohle (und Gas) zurückgedrängt werden soll. Ohne die Biomasse-Anlagen steigen die CO2-Emisssionen sogar an. Dabei habe ich angenommen, dass der Stromverbrauch in etwa konstant bleibt. An das schweizerische Modell der Energiewende durch 30%ige Einsparung des Stomverbrauchs glaube ich nicht.
Das jetzige Szenario kann so nicht funktionieren. Eine für lange Zeit unbeschränkte Förderung der Biomasse-Anlagen erscheint unvermeidlich. Aber man hat noch ca. 6 Jahre Zeit, weil erst dann eine erhebliche Anzahl von Biomasse-Anlagen aus der Förderung fällt.

Billige Anpassung (?)

Im Pariser Klimavertrag, den viele Länder unterschrieben haben, aber noch keines ratifiziert hat, wird festgelegt, dass die Industriestaaten ab 2020 100 Millarden Dollar jährlich für Anpassungsmassnahmen an den Klimawandel für die ärmeren Länder bereitstellen sollen. Jetzt sagen einige, dass das nicht reichen wird. Die Summe hört sich viel an.
Wenn man bedenkt, dass die deutsche Energiewende, die ja noch am Anfang steht, bereits etwa 30 Milliarden Euro pro Jahr kostet, erscheint die Summe jedoch nicht besonders hoch.
Die Schätzungen für die weltweite Energiewende liegen bei 68’000 Milliarden Dollar (oder Euro?). Das macht 680 Jahre lang die Anpassungsmassnahmen. Man könnte auf die Idee kommen, dass die Anpassungsmassnahmen sehr viel billiger als die Energiewende sind.

Was will der IS mit Terroranschlägen erreichen?

1. Weltweite Aufmerksamkeit
Dieses Ziel wurde mit Hilfe der Medien, der Fussballer und der Politiker erreicht. Das Massaker am Vortag in Beirut erregte international kaum Aufsehen. Dies dient dem IS als Argument für die Doppelmoral des Westens.
2. Der IS möchte nicht als Terrororganisation angesehen sondern als Gegner auf Augenhöhe.
Das ist durch die „Kriegserklärung“ von F. Hollande gelungen. Aus den Morden in Paris werden dadurch kriegerische Akte und im Krieg ist das Töten von Menschen ja bekanntlich erlaubt.
3. Stärkere Unterstützung durch die sunnitische Bevölkerung
Dies kann erreicht werden durch den Einsatz von Bodentruppen aus Europa, den USA oder bestehend aus Kurden oder schiitischen Gruppen. Hier fehlt die Unterstützung noch, ist aber wohl längst geplant.
4. Eine grössere Islamfeindlichkeit in Europa
Dies fördert die Bereitschaft junger Menschen sich dem IS anzuschliessen. Hier kann der IS auf AfD, Pegida und Marine LePen zählen.
Also ein gelungenes Wochenende für den IS.
Man stelle sich mal folgendes Gedankenspiel vor. Es kommt eine kurze Nachricht im Fernsehen, dass in Paris mehrere Schiessereien stattgefunden haben. Man weiss noch nichts über die Täter. Vermutet wird ein Bandenkrieg im Zuhältermilieu. „Und jetzt die Wettervorhersage.“
Die Politiker äussern sich nicht, weil Verbrechen Sache der Polizei sind und in Syrien kriegt ein bärtiger Mann einen Wutanfall.

Schulden muss man zurückzahlen,…

so man kann.
Angeblich müssen Schulden immer zurückgezahlt werden. Warum müssen dann Zinsen gezahlt werden? Die Begründung für Zinsen ist doch, dass damit das Ausfallrisiko abgesichert werden soll. Deshalb müssen für riskante Kredite höhere Zinsen gezahlt werden. Kreditvergabe funktioniert also so ähnlich wie eine Versicherung. Diese Argumentation befreit die Banken auch von dem Vorwurf auf unmoralische Art Weise, nämlich durch Nichtstun, Geld zu verdienen. Jetzt ist in Griechenland der Versicherungsfall eingetreten. Also die Versicherung, hier die Banken, hat Pech gehabt. Aber so ist nun mal das Geschäft. Ich höre schon den Einwand, was passiert, wenn keiner seine Schulden zurückzahlt. Dann ist die Bank pleite und keiner kann neue Schulden machen. Von Zeit zu Zeit müssen Kredite platzen, um die Kreditgeber von zu leichtsinniger Kreditvergabe abzuhalten. Warum die ganze Aufregung? Weil es unmoralisch ist, einen Kredit nicht zurückzahlen zu können? Es gibt also auch eine moralische Verpflichtung keinen Versicherungsschaden zu erzeugen? War es unmoralisch, als der deutsche Staat den Banken die faulen Kredite abkaufte? Sind schlechte Geschäfte unmoralisch?
Was hat das alles Moral zu tun? Ich denke nur sehr wenig.
Lassen wir doch einfach mal einige Kredite platzen und wenden uns dem Aufbau einer hoffentlich angenehmeren Zukunft zu.