Archiv für den Monat: Juli 2016

To Hinkley or not…

Erst hat EdF beschlossen das Kernkraftwerk Hinkley Point zu bauen. Jetzt sagt die neue Premierministerin das es damit keine Eile hat. (Update: 14.9.2016: Es darf gebaut werden.)
Die Anti-Antikraft-Lobby, die bei der ersten Meldung besorgt war, kann erst mal wieder aufatmen. Für alle, die es noch nicht zigmal gelesen haben, wird berichtet, dass sich die Kraftwerke nicht rechnen. Rechnen wir mal ein bisschen nach.
Die Stromgestehungskosten bei Kernkraftwerken (KKW) werden hauptsächlich durch die Baukosten bestimmt. Die Kosten für den Brennstoff Uran sind dagegen verhältnismässig gering.
Die beiden Blöcke sollen zusammen 22 Milliarden Euro kosten, also etwas weniger als die jährliche EEG-Zulage. Dies scheint überzogen, aber nehmen wir mal die Zahlen.
Das Kraftwerk soll 3400 Megawatt leisten. KkW können 8000 Stunden pro Jahr Strom erzeugen. 8000 Stunden mal 3400 MW ergibt eine jährliche Stromproduktion von 27.2 Millionen Megawattstunden (MWh). EdF hatte mit der Regierung einen Preis von 110 Euro pro MWh ausgehandelt. Dies ist ein Preis und nicht die Stromgestehungskosten. Kritiker wechseln das regelmässig.
Damit erzielt das KKW jährlich Einnahmen von ca. 3.0 Milliarden Euro. Nach etwas mehr als 7 Jahren sind die Baukosten verdient. Da der Strompreis für 35 Jahre garantiert ist, generiert das KKW Einahmen von ca. 105 Milliarden Euro, also während der Betriebsdauer einen Überschuss von 83 Milliarden Euro. Das hört sich nicht wirtschaftlich unsinnig an.
Warum will die Regierung den Handel momentan nicht unterschreiben. Man kan nur vermuten.
Grossbritanniens (GB) Stromversorgung ist kritisch. Für den nächsten Winter beträgt die Reserve angeblich nur 3%.
Der Strompreis ist mit 130 Euro pro MWh eigentlich zu hoch. EdF konnte diesen Preis nur durchsetzen, weil für ebenfalls CO2-freien Windstrom der gleiche Preis gezahlt wird. Aus Kohle bekommt man den Strom erheblich billiger.
GB muss aber in Kürze viele Kohlekraftwerke abschalten, weil sie nicht mit Abgasreinigungen nachgerüstet wurden und daher die Emissionsforderungen der EU nicht einhalten. EU?? Wenn GB aus der EU austritt, sind die Emissionslimite der EU kein Hindernis mehr. Mit der Begründung eines Notstandes könnte man noch für einige Zeit länger Kohle verbrennen und einen niedrigeren Strompreis erzielen. Wie gesagt, nichts genaues weiss man nicht. Alles nur Spekulation.

Warum lacht denn keiner?

Es gibt einen alten Witz, dass wenn man verhindern will, dass eine Entscheidung getroffen wird, man einen Ausschuss bildet und der produziert dann gleichnamigen.
Heute heissen Ausschüsse Kommissionen und eine Kommission hatte man gebildet, um einen Gesetzesvorschlag zu erarbeiten, wie man den atomaren Abfall endlagert. Der Anteil von Fachleuten (Geologen, Physiker etc.) ist sehr klein gehalten worden, weil Fachkenntnis ja bekanntlich zu Betriebsblindheit führt. Jetzt hat die Kommission ihren Bericht abgeliefert und es wurde ein Zeitplan bekannt. Die Suche nach einem geeigneten Ort soll 40 (in Worten: vierzig) Jahre dauern und in etwa 100 (in Worten: hundert) Jahren soll mit der Einlagerung begonnen werden. Das kann doch nur ein Witz sein. Was machen die denn die ganzen Jahre? Kratzen die ein Loch mit Teelöffeln ins Gestein?
Ich sträube mich gegen den Gedanken, dass Menschen noch Nebenabsichten haben.
Das Hauptargument gegen die Nutzung der Kernenergie ist die Frage der Endlagerung. Wenn man die Frage jedoch für mindestens noch 100 Jahre offenlässt, hat man weiterhin dieses Argument, falls sich die Einstellung künftiger Generationen zur Kernenergie ändert.