Archiv für den Monat: August 2017

Risikolose Windparkbeteiligung…

In der Frankfurter Rundschau wurde berichtet, dass sich Bürger an Windparks beteiligen können und dafür eine garantierte Verzinsung von 5% erhalten.
Bei einem Windpark erhalten normalerweise alle Beteiligten (Landeigentümer, Projektentwickler, Geschäftsführer, etc.) einen garantierten Anteil der Einnahmen und meistens eine garantierte Mindestsumme. Das Risiko bleibt bei den Investoren und die schauen bei 2 Drittel der Projekte in die Röhre. Wie funktioniert das beim Windpark Köhlen, der als Beispiel genannt wurde?
Es durften sich 130 Bürger aus der Nachbarschaft mit durchschnittlich 11 000 Euro beteiligen. Sie sind damit mit 1,43 Mio. Euro beteiligt. Damit scheiden sie schon mal als Kläger gegen den Windpark aus. Sie erhalten auf ihre Beteiligungen 5% Zinsen, d.h. 550 Euro pro Jahr. Alle zusammen 71 500 Euro.
Der Windpark besteht aus 16 Windturbinen mit einer gesamten Nennleistung von 48.8 MW. Die Gesamtinvestitionssumme wird nicht genannt. Sie dürfte bei über 60 Mio. Euro liegen. Die Beteiligung der Bürger liegt also in der Größenordnung von 2%.
Die Einnahmen des Windparks dürften bei etwa 6 Mio. Euro pro Jahr liegen. Davon erhalten die Landeigentümer als Pacht üblicherweise 8% = 480 000 Euro. Dafür stellen sie etwa 10 000 m2 zur Verfügung. Der Quadratmeterpreis liegt bei ca. 3 Euro. Die Landeigentümer «investieren» also Land im Wert von 30 000 Euro und erhalten dafür 480 000 Euro Zinsen im Jahr. Die Bürger investieren 1.43 Mio Euro und erhalten 71 500 Euro Zinsen.
Die Bürger lassen sich für `n Appel und `n Ei ihr Klagerecht abkaufen.
Wer trägt also in diesem Fall, das Risiko falls der Wind nicht ausreichend weht. Hinter der Projektgesellschaft stehen zwei Gesellschafter und der eine Gesellschafter ist die EWE, der regionale Energieversorger im Nordwesten. Die Besitzer der EWE sind die Städte und Kommunen im Nordwesten Deutschland. Das Risiko tragen also die Stromverbraucher oder die Steuerzahler.

Politisch-korrekter Trugschluss…

Ein Mitarbeiter bei Google hat ein Manifest geschrieben, in dem er behauptet, dass Frauen für Informatik nicht geeignet seien. Er vermutet dahinter genetische Gründe. Ich bezweifle, dass das so ist.
Wenn jedoch eine Firma einen Frauenanteil von 50% anstrebt, könnte dieser Eindruck entstehen.
Es liegt daran, dass der Anteil der Frauen an Informatikstudierenden nur ca. 17% ist. Nehmen wir als Beispiel an, dass 83 Männer und 17 Frauen an einer Universität studieren und dass es gute und weniger gute Studenten gibt. Dies soll aber unabhängig vom Geschlecht sein. Vielleicht passt eine Normalverteilung («Glockenkurve») ganz gut.
Eine Firma bietet jetzt 34 Studenten einen Vertrag an. Da die Firma einen Frauenanteil von 50% anstrebt, bietet sie also 17 männlichen und 17 weiblichen Studenten einen Vertrag. Das Ergebnis ist, dass die Firma alle Frauen anstellt, bei den Männern aber nur die besten 20% nimmt.

Zweierlei Maß…

Die Besitzer des Gas-und Dampfkraftwerkes Irsching möchten das Kraftwerk gerne stilllegen. Der Übertragungsbetreiber Tennet lässt dies aber nicht zu. Für schwierige Netzsituationen muss das Kraftwerk weiter zur Verfügung stehen. Dem Betreiber bekommt seine Kosten aber nicht vollständig ersetzt. Er gibt einen zweistelligen Millionenbetrag als Verlust an. Per Gesetz wird hier also eine Firma gezwungen, Verluste zu machen.
Da in Bayern ja demnächst die Kernkraftwerke abgeschaltet werden, muss Bayern den größten Teil seines Stromverbrauches importieren. Um einen Blackout zu vermeiden, hat die Bundesnetzagentur entschieden, dass 1200 MW Gaskraftwerke gebaut werden sollen. Die Kraftwerke sollen von den Übertragungsnetzbetreibern gebaut und betrieben werden. Ihre Kosten können vollständig über die Netzentgelte umgelegt werden.
Man könnte sich jetzt fragen, warum Irsching nicht die Funktion der neuen Gaskraftwerke übernehmen kann. Es befindet sich nicht am richtigen Ort.

Abgas-Kartell?

Vor einigen Wochen kamen wir auf die Idee abends mit dem Fahrrad ins Dorf zu fahren und in einer schönen Kneipe ein Bier vor dem Schlafengehen zu trinken. Da wir in einem Kurort leben, gibt es eine ganze Reihe von Gaststätten. Wir mussten aber feststellen, dass in den ersten drei Gaststätten geraucht wurde. Wir landeten dann in einem Hotel, das eine schöne Kneipe hat, aber leider war die auch verraucht. Auf die Frage, ob es in Bad Zwischenahn eine Gaststätte gäbe in der man «ungeräuchert» ein Bier trinken könnte, antwortete der Kellner, dass das nach seinem Wissen nicht möglich sei.
In Niedersachsen gibt es ein Rauchverbotsgesetz wie in anderen Bundesländern auch. Die Polizei sagt, dass sie für die Einhaltung nicht zuständig sei. Der Bürgermeister meint, dass die Gemeinde für die Einhaltung auch nicht zuständig sei. Zuständig seien die Wirte. Im Übrigen bezeichnet er Anzeigen wegen des Rauchverbots als «anschwärzen». Der Gaststättenverband hält Anzeigen wegen Verstosses gegen das Gesetz für eine Diffamierung. Man hat den Eindruck, dass alle unter einer Decke stecken, um die Umsetzung des Rauchverbots zu verhindern.
Für einen demokratischen Rechtsstaat zeigt sich hier eine problematische Rechtsauffassung. Wenn man der Auffassung ist, dass die Täter für die Einhaltung der Gesetze zuständig sind, braucht man gar keine Polizei mehr.
Jedes Bundesland hat ein eigenes Rauchverbotsgesetz. In 13 Ländern sind die Bussgelder im Gesetz vorgeschrieben. Sie reichen bis zu 10 000 Euro in Meck-Pomm. In Niedersachsen überlässt man die Festsetzung der Höhe der Bussgelder der Gemeinde. Da kann man sich vorstellen, wie hoch die Bussgelder sein werden, wenn jemand die Wirte bei der Gemeinde «anschwärzt».
Jetzt könnte man auf die Idee kommen, einfach mal Anzeige zu erstatten. In einem kleinen Dorf mit dem geschilderten politischen Umfeld sollte man davon vielleicht besser Abstand nehmen.