Archiv für den Monat: September 2018

Der Wald, das merkwürdige Wesen

In Artikeln zum Hambacher Forst wird immer darauf hingewiesen, dass der Wald sehr alt sei. Das scheint ein wichtiges Argument zu sein. Nur habe ich zwei verschiedene Zahlen gelesen: 1200 und 12000 Jahre.
Das bringt mich zu der Frage, wie man das Alter eines Waldes bestimmt. Mit dem Alter der Bäume hat es wohl nichts zu tun, denn es gibt dort keine Bäume, die 1200 Jahre alt sind.
Der Wald ist also ein merkwürdiges Wesen. Es gibt keinen Teil des Waldes, der so alt ist wie der Wald. Was ist der Wald eigentlich? Der Wald besteht aus Bäumen. Sind zwei Bäume schon ein Wald? Vermutlich nicht. Nehmen wir an, dass ein Wald mindestens 10 Bäume hat. Wenn ich den nördlichsten Baum fälle, dann ist es kein Wald mehr. Dieser Baum hat also etwas Besonderes, denn er macht aus 9 Bäumen einen Wald. Das gilt aber auch für die anderen 9 Bäume. Nominalisten sagen, dass es in der Realität gar keinen Wald gibt. Es gibt nur Bäume und der Mensch macht erst in seinem Gehirn daraus einen Wald. Kann aber etwas, das es in der Realität nicht gibt, ein Alter haben?
Man kann die Aussage, dass der Wald 1200 bzw. 12000 Jahre alt ist, auch so interpretieren, dass dort während dieser Zeitspanne Bäume gestanden haben. Ist das charakteristisch für den Hambacher Forst. Wälder gibt es bei uns hauptsächlich da, wo der Boden zu sandig, zu felsig oder zu steil für Landwirtschaft ist. Man kann daher annehmen, dass die meisten Wälder bereits seit der letzten Eiszeit bestehen. Der Hambacher Forst hätte in dieser Richtung kein Alleinstellungsmerkmal.

Platzverweis

Wir haben in unserem Haus eine Gasheizung, die auch NOx emittiert. Vermutlich werden an unserem Schornstein daher die Immissionsgrenzwerte überschritten. Das ist aber kein Problem, da sich dort ja niemand das ganze Jahr aufhält. Es lässt sich aber in Deutschland wohl nicht ausschließen, dass Menschen sich das ganze Jahr am Strassenrand aufhalten. Deshalb sind die Messcontainer immer direkt am Strassenrand aufgestellt.
In unserem Dorf in der Schweiz gibt es einen Golfplatz, an dem ein schöner Wanderweg vorbeiführt. Man hat dort ein Schild angebracht: «Vorsicht fliegende Golfbälle. Nicht stehenbleiben, zügig weitergehen!». Das hat mich auf folgende Idee gebracht.
Da die überhöhten NOx-Werte nur direkt am Strassenrand auftreten (in den angrenzenden Geschäften und Wohnungen sind sie erheblich niedriger), könnte man doch Schilder aufstellen mit dem Text: «Achtung: erhöhte NOX-Emissionen! Der ständige Aufenthalt am Strassenrand ist untersagt.»

Kilometer pro Stunde pro Jahr

Eine Stecke messen wir normalerweise in Metern oder, wenn sie lang ist, in Kilometern.
Die während einer bestimmten Zeit zurückgelegte Strecke messen wir in Metern pro Sekunde oder Kilometer pro Stunde und nennen es Geschwindigkeit. Was könnte man sich unter 50 Kilometer pro Stunde pro Jahr vorstellen? Vermutlich nichts.
Energie messen wir in Joule. Die pro Zeiteinheit «erzeugte» oder «verbrauchte» Energie messen wir in Joule pro Sekunde und haben dafür die Einheit Watt erfunden. Was will uns der Spiegel sagen, wenn er diese Woche von Terrawatt pro Jahr also Terrajoule pro Sekunde pro Jahr schreibt?
Vermutlich will er uns zeigen, wie schlecht es Journalisten geht, sodass sie über Dinge schreiben müssen, von denen ihnen sogar das Basiswissen fehlt.

Lasche Haltung

Vor kurzem gab Prof. Schellnhuber der FR ein Interview. In darauffolgenden Leserbriefen wurde er für seine «lasche» Haltung kritisiert.
Wenn man das Interview genau durchliest, dann stellt man fest, dass Prof. Schellnhuber meistens im Konjunktiv spricht. Er hat dazugelernt. Vor Jahrzehnten hat man noch grosszügig Prognosen gemacht in der Art «2010 gibt es keinen Schnee mehr in den Alpen.».
Wenn mal ehrlich ist, muss man zugeben, dass man zwar weiss, dass es wärmer wird. Wieviel es jedoch wärmer wird und wo und welche Folgen das hat, das wissen wir nicht genau und können es vielleicht auch gar nicht wissen bei einem chaotischen System wie dem Klima. Die Vorhersagen schwanken zwischen 1.5° und 4.5° bis zum Jahr 2100.
Leute wie Prof. Schellnhuber meinen, dass eine vollkomme Änderung unserer Lebensweise und unseres Gesellschaftssystems notwendig seien. Das hat ihm den Vorwurf einer «Ökodiktatur» eingetragen.
Wenn ich derartig starke Veränderung fordere, dann müssen dahinter auch Annahmen für die Folgen des Klimawandels stecken. Ich habe den Eindruck, dass wer maximale Veränderung fordert auch von maximalem Schaden ausgeht. J. Trittin hat sich mal in einem Interview auf Phoenix dahingehend geäussert. Man müsse die pessimistischsten Prognosen zur Basis der Politik machen.
Dieses wurde mMn niemals in Deutschland diskutiert.
Nach meinem Eindruck widerspricht es der menschlichen Natur immer vom schlimmsten auszugehen (Ausnahmen bestätigen die Regel.). Wenn ich vom schlimmsten ausgehe (in zwei Minuten bin ich tot), dann führt das zum Fatalismus.

Viel mal wenig = wenig

Der diesjährige warme und trockene Sommer gab zu vielen Analysen Anlass. Ein Aspekt wurde aber nicht gewürdigt. Warme und trockene Sommer entstehen durch festliegende Hochdrucksysteme. Die Luftdruckunterschiede sind über weite Strecken gering und dies bedeutet, dass es wochenlang sehr windstill ist. Die Windturbinen stehen meistens still oder drehen sich nur langsam.
Wenn man also mal annimmt, dass durch den Klimawandel solche Sommer zum Normalfall werden, dann fällt die Windenergie als Stromlieferant im Sommer praktisch aus. Wenn kein Wind weht, nützt es auch nichts, wenn man mehr Turbinen aufstellt, die sich dann auch nicht drehen.