Temperaturschock

Als ich mal jemandem aus Malaysia sagte, dass es bei uns durch den Klimawandel um 2°C wärmer werden würde, meinte er: «Hoffentlich bald.» Wer sein ganzes Leben im T-Shirt verbracht hat, für den ist eine Daunenjacke eine schwere Last.
Wie wird es denn bei uns, wenn es wärmer wird? Also mal den alten Schulatlas rausgeholt und nachgeschaut.
Wenn es gut läuft, könnten es nur 1.7°C werden. Dann wäre es hier so warm wie in Berlin. Bei 2.4 °C schwitzen wir wie die Leute in Frankfurt und bei katastrophalen 5.6°C ist es hier unerträglich wie in Südtirol. Wieso fahren die Leute eigentlich da in Urlaub hin?

16 Gedanken zu „Temperaturschock

  1. Wenn es allein darum ginge, ob Sie im Ammerland oder ich in Frankfurt ein bisschen mehr ins Schwitzen geraten, wäre die ganze Erderwärmung tatsächlich ziemlich harmlos. Aber Sie haben sicher auch schon mal vom Schmelzen der Gletscher gehört, das auf Dauer zur Austrocknung der Flüsse führen kann, ganz abgesehen von einem massiven Artensterben. Dazu kommt das Auftauen der Permafrostböden in Nordkanada, Alaska, Grönland und Sibirien, wodurch der dort gespeicherte Kohlenstoff freigesetzt wird und die Erderwärmung noch mehr anheizt. Und last but not least kommt es zum Abschmelzen des Eisschildes an den Polkappen, wodurch das Golfstromsystem und der Humboldstrom beeinflusst werden sowie der Meeresspiegel ansteigt, was wiederum Länder wie die Malediven, Bangladesch und die Niederlande bedroht. Und wenn das Wasser dann schon mal in Holland angekommen ist, bauen Sie sich in Ammerland schon mal prophylaktisch eine Arche (natürlich eher für Ihre Kinder und Kindeskinder). Oder ziehen Sie sich warm an, wenn der Golfstrom nicht mehr bei Ihnen vorbeikommt.

    1. Die Klimaforscher sagen, dass es mehr regnen wird bei uns. Dann werden wir uns um austrocknende Flüsse keine Sorgen machen müssen. Am Nordpol gibt es keine Eiskappe. Das Eis schwimmt im Wasser und wenn es schmilzt, steigt der Meeresspiegel nicht. Bis der Meeresspiegel unser Haus erreicht, vergehen noch 1600 Jahre und bis in Grönland der Permafrost auftaut, wohl um die 8000 Jahre. Ob die Antarktis abtaut, ist noch nicht klar. Bisher ist es dort, im Gegensatz zum Rest der Erde nicht wärmer geworden und es sieht so aus, dass das Eis zurzeit sogar zunimmt.
      Der Klimawandel ist jedoch nicht aufzuhalten, besondere nicht durch solche skurrilen Aktionen wie die deutsche Energiewende.
      Ich halte es jedoch für arrogant zu behaupten, man könne heute das Klima für Jahrhunderte vorausberechnen. Die meisten Wissenschaftler machen das auch nicht, weil einige bereits böse auf die Nase gefallen sind. Der allseits bekannte M. Latif hatte ja vorausgesagt, dass es ab 2010 keinen Schnee mehr in den Alpen gibt. Sie sprechen heute immer im Konjunktiv, erst Journalisten und Aktivisten (manchmal in Personalunion) machen daraus dann den Indikativ.
      Wenn man bedenkt, dass der Mensch die Eiszeit vermutlich nur mit einer Steinaxt als Werkzeug überlebt hat, halte ich es für eine Beleidigung der menschlichen Kreativität und Intelligenz, zu glauben, dass die Menschen mit einem Wandel des Klimas, der sich über Generationen hinzieht, nicht fertig werden. Zumal unseren Nachfahren das Schrumpfen der Weltbevölkerung zu Hilfe kommen wird.
      Wir sollten uns um die Probleme kümmern, die wir lösen können: Hunger, Armut, Krankheiten und nicht unsere Energien verschwenden für einen Kampf, den wir soundso nicht gewinnen können.
      Aber dieser sinnlose Kampf ist natürlich das Geschäft des Jahrtausends. Unsere Potsdamer Klimapäpste rechnen mit 68’000 Mrd. Euro. Da haben die Armen, Hungernden und Kranken dieser Welt leider Pech gehabt.

      1. Was das Abtauen der Antarktis angeht, liegen Sie falsch. Laut Tagesschau vom 17. Februar 2017 hat die US-Klimabehörde mitgeteilt, dass die Meereseisdecke der Arktis und Antarktis im Januar 2017 so klein war wie noch nie seit Beginn der Messungen 1979. In der Arktis lagen die Werte 9%, in der Antarktis 23% unter dem Durchschnitt von 1981 bis 2010. Die Folge ist vorerst „nur“, dass das Aussterben der Eisbären kurz bevorsteht. Aber der Rückgang der Artenvielfalt scheint für Ihnen keine Probleme zu bereiten, da für Sie auf der Erde offenbar nur der Mensch eine Daseinsberechtigung zu haben scheint. Dieses anthropozentrische Weltbild teile ich nicht. Mir geht es nicht allein um die Frage, wie der Mensch überleben kann, sondern auch darum, dass er durch seine massiven Eingriffe in die Natur diese sukzessive zerstört.

        1. Entschuldigung, die Veränderung des letzten Satzes des ersten Abschnitts hat zu einem Grammatikfehler geführt. Es muss heißen: „Scheint für Sie kein Problem zu bedeuten“.

          1. Warum fressen Eisbären keine Pinguine?
            Wie sich richtig schreiben, geht es um das Meereis. Wenn Eis, das auf Wasser schwimmt, schmilzt, steigt der Meeresspiegel nicht(Archimedisches Prinzip).
            Die Änderungen in der Antarktis haben keinen Einfluss auf die Eisbären, weil es dort keine gibt (und deshalb fressen sie auch keine Pinguine, weil es die nur im Süden gibt).
            Eisbären gibt es mindestens schon 110’000 Jahre, vielleicht auch schon 3 Millionen Jahre (http://link.springer.com/article/10.1007/s41063-015-0019-3).
            In dieser Zeit haben sie mehrere Eiszeiten und Warmzeiten überlebt. Schwieriger für Eisbären sind Zeiten, wenn das Eis sehr dick ist. Dann zieht nämlich ihre Nahrung (die Seehunde) weg, weil die ihre Atemlöcher im Eis nicht freihalten können.
            Man scheint in Kanada die Befürchtungen von Herrn Gore nicht zu teilen, denn es werden jedes Jahr 1000 Eisbären durch Jäger erlegt. Eine Greenpeace-Kampagne gegen die Jagd auf Eisbären ist mir auch nicht bekannt. Auf Spitzbergen hat die Population von Eisbären zugenommen, seit man das Jagen verboten hat.
            Sie haben Recht, dass ich bereits bin, einige Arten zu opfern, wenn ich damit Menschen vor dem Hungertod retten kann. Wenn das ein anthropozentrische Weltbild ist, habe ich dieses gerne.

  2. Wass mir an Ihnen so gut gefällt,Herr Flessner, ist Ihr unerschütterliches Selbstbewusstsein. Hunderte vor Wissenschaftlern warnen vor den negativen Folgen des menschengemachten Klimawandels, eine große Anzahl von Staaten verständigt sich auf gemeinsame Klimaziele – nur Henning Flessner weiß alles besser. Glückwunsch!

    1. Ich widerspreche den Wissenschaftlern doch gar nicht. Nur bin ich der Meinung, dass sich der Klimawandel nicht verhindern lässt und dass es wichtigere Probleme, nämlich Hunger und Krankheiten, gibt.
      Deutschland hat von 2000 bis 2015 233 Milliarden in die Energiewende investiert und jedes Jahr kommen mindestens 30 Mrd. Euro dazu. Der Effekt auf das CO2 und das Klima ist praktisch gleich null.
      Was hätte man mit dem Geld alles im Kampf gegen Hunger und Krankheiten erreichen können?

      1. Woher wissen Sie denn, dass die Investitionen nichts gebracht haben? Ohne sie wäre der Klimawandel vielleicht viel schneller vonstatten gegangen. Und was ist mit den – wahrscheinlich als Folge des Klimawandels – bereits häufiger auftretenden und stärker werdenen Stürmen, Fluten und Unwettern? Tragen sie nicht zum Hunger und Elend in der Welt bei? Und wie sieht es mit dem Ozonloch aus, das in Australien die Hautkrebsrate hat rapide ansteigen lassen? Könnte es sein, dass sein Schrupfen bereits eine Folge des verminderten FCKW-Ausstoßes ist?
        Ich halte es für sinnvoller, die Ursachen zu bekämpfen, anstatt zu versuchen, nachträglich an den Folgen einer falschen Umweltpolitik (z.B. Hunger) herumzudoktern.

        1. Deutschlands Beitrag am Klimawandel durch CO2 beträgt ca. 2% und da unsere Energiewende hauptsächlich aus dem Ersatz der Kernenergie durch Erneuerbare besteht, haben wir praktisch keinen Einfluss.
          FCKW hat nichts mit der Energiewende zu tun.
          Ich hoffe, dass ich den letzten Satz missverstehe. Ich halte ihn, so wie er da steht, für menschenverachtend.

  3. Im Übrigen hätte man sowieso früher oder später in alternative Energien investieren müssen, weil die Öl-, Gas- und Kohlevorkommen irgendwann ausgeschöpft sein werden.

    1. Sehr geehrte Frau Ernst,

      Sie haben damit recht, die Öl-, Gas- und Kohlevorkommen sind irgendwann einmal ausgeschöpft und man hätte da bereits früher daran denken müssen. Aber auch da muß doch gelten, die Ursachen zu bekämpfen, anstatt zu versuchen, nachträglich an den Folgen einer falschen Energiepolitik herumzudoktern, was Sie auch vorher angemahnt hatten bei der Umweltpolitik.

      Dann dürfen Sie auch neue Verfahren bei der Kernenergie nicht von vornherein ablehnen, die ohne große CO2-Emissionen auskommen, denn Uran und Thorium lassen ja andere Länder nicht links liegen bei ihrer eigenen Energie- und Umweltpolitik.
      Und die sog. alternativen Energien verbrauchen ja ebenfalls vermehrt dann weitere Rohstoffvorkommen, die irgendwann einmal ebenfalls ausgeschöpft sind, an die denken viele Menschen aber z.Z. noch nicht.

      Auch damit ist dann ebenfalls irgendwann mal Schluß. Halten Sie es für wahrscheinlich, daß dann bei einer allgemeinen Erschöpfung aller dieser Rohstoffvorkommen, also nicht nur der Öl-, Gas- und Kohlevorkommen, ausgerechnet die hochenergetischen Uran- und Thoriumvorkommen dieser Erde unberührt bleiben werden?
      Ich halte das nicht für wahrscheinlich.

  4. Zu Ihrer Antwort vom 24. Februar: Selbstverständlich bleibt uns, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist und auch dann noch niemand bereit ist, mal einen sicheren Deckel draufzumachen, nichts anderes übrig, als das Kind wieder herauszuholen, in diesem Fall konkret die Hungernden zu ernähren.
    Es ist schwer festzulegen, wo die Menschenverachtung anfängt. Dort, wo man auch versucht, die Ursachen für den Hunger zu bekämpfen? Oder auch dort, wo man nicht alle finanziellen Mittel, die man zur Verfügung hat, zur Hungerbekämpfung einsetzt, bis der letzte Hungernde auf der Erde gesättigt ist. Streng genommen müssten dann die Gelder, die z B. zur (nicht lebensnotwendigen) Subventionierung von Theatern ausgegeben werden, lieber für Nahrungsmittel für Drittweltländer verwendet werden.

    Ich habe nie bestritten, dass der deutsche Anteil am Klimawandel gering ist. Deshalb gibt es ja internationale Klimakonferenzen, die das Ziel verfolgen, möglichst viele Länder beim Kampf gegen die Erderwärmung mit ins Boot zu nehmen.

    1. Wenn man die CO2-Einsparungen durch die Energiewende in die Modelle der Klimaforscher füttert, erhält man rein rechnerisch eine Verschiebung des Klimawandels um 37 Stunden. Das ist für 233 Mrd. Euro nicht sehr viel.
      Greenpeace ist übrigens auch der Meinung, dass die Energiewende (in der jetzigen Form) sinnlos ist.

  5. Zum zukünftigen Einsatz von Uran und Thorium:
    Abgsehen davon, dass wir (wie Sie immer betonen), nicht in die Zukunft blicken können, halte ich es für möglich, dass sich Menschen, wenn sie bis dahin nichts Besseres erfunden haben, auch wieder der Atomkraft zuwenden könnten, wenn alle anderen endlichen Ressourcen zur Energiegewinnung erschöpft sind. Danach bleiben zwar noch diejenigen, die man aus gutem Grund „erneuerbare Energien“ nennt, weil sie sich eben nicht erschöpfen, aber die könnten, bei einem weiteren rapiden Bervölkerungswachstum wie dem heutigen und einer Industrialisierung der bisher „unterentwickelten“ Länder, irgendwann auch nicht mehr reichen. Diese zukünftigen Generationen beneide ich allerdings nicht um das schwer zu lösende Problem der Endlagerung des radioaktiven Mülls.
    Unterm Strich sehe ich die Zukunft sowieso nicht sehr rosig, weil Menschen irrationale Wesen sind und sich, wenn sie so weitermachen, irgendwann den Ast abgesägt haben, auf dem sie sitzen. Sie sind zu analytischen und kreativen Denkleistungen fähig; was den meisten von ihnen leider fehlt, sind die Fähigkeit und die Bereitschaft, die Konsequenzen ihres Handelns zu bedenken.

  6. Da sehe ich aber einen Fehler in dieser Argumentation, denn auch die nur sog. „erneuerbaren“ Energien brauchen doch jede Menge an endlichen, damit nicht beliebig mehr erneuerbaren Rohstoffen für die Entwicklung, die Konstruktion, den Bau, die Wartung, ebenso für die Entsorgung der Techniken und der Anlagen für ihre Nutzung.

    Darum aber geht es, Wind und Sonne alleine wären zwar erneuerbar, solange in der Sonne noch die Kernfusion stattfindet, aber die Windräder und PV-Module zur Nutzung von Wind und Sonne nicht im gleichen Maß. Zum Beispiel sind die Flügel der WKA aus faserverstärkten Kunststoffen und damit auch sehr schlecht recycelbar und auch endlich herstellbar.
    Auch beim Kupfer gibt es ja kein 100%-iges Recycling, ebenso nicht beim Stahl und allen anderen Werkstoffen, auch für die Anlagen der sog. „erneuerbaren“ Energien.

  7. Im übrigen (ich schreibe das hier noch klein nach der alten Rechtschreibung) ist die Erzeugung von Eisen und Stahl mit dem Hochofenprozeß gekoppelt, das Eisenoxid als Eisenerz wird chemisch durch den Kohlenstoff im Koks reduziert.
    Ohne Kohle also auch kein Eisen und Stahl, ohne Eisen und Stahl auch kein Windrad und keine PV-Module.
    Denn dazu gehören auch die Entwicklung, die Konstruktion, der Bau, die Wartung, ebenso für die Entsorgung der Techniken und der Anlagen für ihre Nutzung.

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