Thermodramatisch…

Als alter Thermodynamiker bin ich fasziniert von der Wärmepumpe und habe ihre Diskriminierung in der deutschen Förderungspolitik immer bedauert. Doch jetzt soll die große Zeit der Wärmepumpen kommen. Mindestens sechs Millionen Wärmepumpen sollen in Deutschland installiert werden. Für die, die nicht genau wissen, was eine Wärmepumpe ist: eine Wärmepumpe ist ein umgedrehter Kühlschrank. Hinten am Kühlschrank ist es ja warm. Wenn man einen Kühlschrank in die Mauer einbaut mit der Tür nach außen und die Tür abbaut, wird es draußen kalt und drinnen warm. Der Charme einer Wärmepumpe ist, dass man für 1 kWh Strom 3 bis 4 kWh Wärme bekommt. Bei einem Nachtspeicherofen oder einem elektrischen Durchlauferhitzer erhält man nur 1 kWh Wärme für 1 kWh Strom.
Wir heizen mit Erdgas. Wie lange dauert es bei einer Umstellung auf eine Wärmepumpe, bis das Geld für die Wärmepumpe (etwa 12’000 Euro) eingespart ist? Rechnen wir mal.
Wir verbrauchen etwa 20’000 kWh Wärme pro Jahr. Das Erdgas kostet 0.0534 Euro pro kWh. Das macht 1068 Euro. Dazu kommt noch der Grundpreis von 142.80 Euro, also in Summe 1210.80 Euro pro Jahr.
Mit der Wärmepumpe kann ich die 20’000 kWh im günstigsten Fall mit 5000 kWh Strom erzeugen. Die kWh Strom kostet 0.2510 Euro. Wenn ich mal annehme, dass sich der Grundpreis für den Strom nicht erhöht, macht das 1255 Euro pro Jahr. Ich habe also -44.2 Euro gespart.
Was kann machen, um die Wärmepumpe attraktiv zu machen? Der Strom muss billiger werden oder das Gas muss teurer werden. Das erstere ist wohl nicht realistisch, also bleibt nur das zweite. Wenn der Gaspreis verdoppelt wird, beträgt meine Einsparung 2*1068+142.8-1255 = 1023.80 Euro pro Jahr. Nach etwa 12 Jahren hat sich die Anschaffung der Wärmepumpe dann gelohnt, wobei sich diese Zeit wegen Wartung und Reparaturen wohl noch verlängert.
Bei diesen Zahlen bleibt wohl nur das Verbot künftiger Gasheizungen.

Ein Gedanke zu „Thermodramatisch…

  1. Herr Flessner, bei einer Gasheizung kommen an Kosten noch spezifische Kosten für Feuerstätten dazu, also auch Gebühren für Abnahme eines Schornsteins, neben den Baukosten dafür, evtl. auch turnusmäßige Überprüfungen und Reinigungen durch Bezirksschornsteinfeger, Emissionsmessungen ebenso, die amtliche Feuerstättenschau auch, diese hoheitlichen Aufgaben durch dazu bestellte Bezirksschornsteinfeger können auch nicht durch freie Schornsteinfeger in Deutschland übernommen werden.

    Wie Sie ja bereits richtig feststellten, wird Strom teurer werden, auch für den Betrieb einer elektrischen Wärmepumpe. Aber als alter Ingenieur oder Physiker wissen Sie ja auch, daß Sie eine Wärmepumpe ja auch durch einen Gasmotor antreiben könnten, die dabei entstehende Abwärme ebenfalls dann noch nutzen könnten und außerdem mit diesem Gasmotor auch noch Strom erzeugen können, wenn die Wärmepumpe gerade nicht benötigt wird.

    Es besteht also überhaupt kein rein sachlicher Grund, auch für Heizzwecke auf Gas zu verzichten, falls zu vernünftigen Preisen und in ausreichenden Mengen vorhanden.
    Nur spielen beim Strom- und Wärmemarkt die sachlichen und vernünftigen Gründe schon lange keine große Rolle mehr in Deutschland, und auch das dürfte für Sie ja nichts Neues mehr sein.

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