Wenn’s nix kostet…

Die Universität Stuttgart hat eine interessante Studie zur Akzeptanz der Energiewende in Deutschland veröffentlicht.
http://elib.uni-stuttgart.de/bitstream/11682/8911/1/KOMMA-P-Survey-Bericht_300916.pdf
Es wurden nicht nur die Ergebnisse, sondern auch die Fragen veröffentlicht, so dass man sich selber einen Eindruck verschaffen kann, ob die Umfrage erkenntnis- oder ergebnisorientiert ist.
Man sieht, dass 29% klare Unterstützer der Energiewende sind und 27% Kritiker. Dann gibt es noch die Gruppe der Unentschiedenen mit 29% und die NIMBYs („not in my backyard“) mit 15%. Wenn die Bedingungen für sie stimmen, unterstützen etwa 60% die Energiewende.
Wenn man jedoch nach der Zahlungsbereitschaft fragt, stellt man fest, dass nur 6% bereit sind, mehr als 100 Euro pro Jahr zu zahlen.
Jetzt wird es schwierig. Wird die Energiewende mehr als 100 Euro pro Jahr kosten? Ich vermute schon. Andere rechnen Einsparungen aus. Jürgen Trittin sprach mal von maximal 2 Euro pro Monat. Kosten werden aber eher unter- als überschätzt.
Wenn man mal annimmt, dass die Energiewende mehr als 100 Euro pro Jahr kostet, lehnen dann 94% der deutschen Bevölkerung die Energiewende ab?
Das Ergebnis der Umfrage kann mal also als 60% Zustimmung oder als 94% Ablehnung interpretieren.
Update (22.2.2017): Die Umfrage hat keinen großen Widerhall in der Presse gefunden. Stattdessen wird eine Emnid-Umfrage zitiert, dass 93% der Bevölkerung die Energiewende unterstützen. 93% sind dafür und 94% dagegen (wenn es was kostet). Leidet die Bevölkerung an Schizophrenie? Vielleicht hilft es weiter, wenn man weiß, dass die Emnid-Umfrage von Greenpeace in Auftrag gegeben wurde.
Die Parteien CDU, SPD, Grüne und Linke unterstützen die Energiewende vorbehaltlos. Kritiker sind dort nicht erwünscht. Bei der FDP sieht es für mich eher nach einem „Ja,aber“ aus. Die einzige Partei, die die Energiewende ablehnt, ist die AfD. Die Parteien sollten sich überlegen, ob sie dieses Wählerpotential nur der AfD überlassen wollen.

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