Kommt ein Vogel geflogen…

Gegner von Windturbinen verweisen immer darauf, dass Vögel von den Windturbinen «geschreddert» werden. Ich bin mal an der Küste unter einigen Windturbinen hergelaufen und habe keine toten Vögel gesehen. Man sagte mir, dass die toten Vögel von Raubvögeln geholt werden. Aber ich habe auch keine Federn gesehen.
Jetzt habe ich gelesen, dass im Durchschnitt ein Vogel pro Monat von einer Windturbine getötet wird.
Das hört ja nicht nach sehr viel an. Wenn man aber bedenkt, dass in Deutschland 27’000 Windturbinen stehen und dass das Jahr 12 Monate hat, dann bedeutet das, dass die Windturbinen jedes Jahr über 300’000 Vögel töten. Das hört sich wieder nach sehr viel an. Anderseits sollen in den USA Katzen für den Tod von 1.4 bis 3.7 Milliarden Vögeln verantwortlich sein.

Ein Gedanke zu „Kommt ein Vogel geflogen…

  1. Diese ganzen Zahlen sind alle sehr mit Vorsicht zu genießen, unter anderem auch deshalb, weil sie sowohl schwer zu erheben als auch schwer auszuwerten sind, und dabei viel Blödsinn veranstaltet wird. Das Gutachten, dass Sie im Moment beim NABU zum Thema Vogelverluste an Leitungen einsehen können, halte ich z.B. für schlecht gemacht, die Zahlen die dort am Ende herauskommen, liegen aufgrund eines systematischen Bewertungsfehlers zu niedrig.

    Wem Sie dabei überhaupt nicht trauen sollten, ist ihrer eigenen Erfahrung: Ich war in den 80er Jahren an einer Untersuchung von Vogelanflügen an Höchstsspannungsleitungen beteiligt, und weiß von da her, dass die Bauern, die täglich unter den Leitungen arbeiteten, keine Ahnung von dem Sterben haben, dass da halbjährlich zu den Zugzeiten stattfindet. Auch Mitarbeiter des EVUs, die zur Suche ausgeschickt wurden, waren nur in der Lage, einen Bruchteil der Rupfungen zu entdecken, die die beteiligten Biologen fanden. Der Anfall an Opfern zur Zugzeit ist tatsächlich so groß, dass Beutegreifer in dieser Zeit lernen, dass da etwas zu holen ist, und die Trassen gezielt absuchen.

    Die Fundsituation unter Windkraftanlagen ist allerdings vom Anfallmuster her schwieriger zu beurteilen, und es kann sein, dass es da deshalb auch zu geringeren Prädatorenaktivitäten kommt – aber die Arbeiten, die ich bisher zu dem Thema gesehen habe, fand ich nicht überzeugend.

    So ist die auch Zahl 300000 pro Jahr, wenn sie denn richtig sein sollte, nicht wirklich aussagekräftig, wenn man die beteiligten Arten und deren Bestandsentwicklung nicht kennt. Auf jeden Fall ist es aber so, dass die Zahl der Opfer, die es individuell nie gibt, immer noch unser größtes Problem darstellt: Die Bestandentwicklung vieler Arten geht viel weniger durch Todesfälle an menschengemachten Strukturen in den Keller als durch den menschengemachten Verlust an Lebensraum.

    Auch Ihr letzter Hinweis auf den Effekt der Katzen in Siedlungsnähe ist richtig. Das ist auch ein Thema, das niemand gerne anfasst, weil man sich dabei gehörig in die Nesseln setzen kann: Diese freilaufenden Katzen sind in der Regel Familienmitglieder der Menschen, die da wohnen …..

    Da ist es für den Naturschutz politisch erheblich leichter, sich mit industriellen Konstrukten wie EVUs anzulegen.

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