Wer misst, misst Mist.

Die EU-Richtlinie 2008/50/EG schreibt u. a. vor wie die Luftqualität gemessen werden muss.
Beim NO2 geht man davon aus, dass kurzzeitig hohe Werte sehr schädlich sind. Deshalb liegt der Grenzwert für 1 Stunde bei 200 µg/Nm3. Aber auch langfristige Belastung ist ein Problem. Deshalb wird über ein Jahr gemittelt.
Die Daten, die man durch Messungen gewinnen will, sind nicht die Schadstoffe in der Straße, sondern die maximale Exposition von Menschen, also das Produkt von Schadstoff und der Zeit, die Menschen diesen Schadstoffen ausgesetzt sind.
In der Richtlinie gibt es dazu folgende Formulierung:
Der Ort von Probenahmestellen, an denen Messungen zum Schutz der menschlichen Gesundheit vorgenommen werden, ist so zu wählen, dass folgende Daten gewonnen werden:
— Daten über Bereiche innerhalb von Gebieten und Ballungsräumen, in denen die höchsten Konzentrationen auftreten, denen die Bevölkerung wahrscheinlich direkt oder indirekt über einen Zeitraum ausgesetzt sein wird, der im Vergleich zum Mittelungszeitraum der betreffenden Grenzwerte signifikant ist;

Es sollen die höchsten Konzentrationen gemessen werden denen Menschen über einen gewissen Zeitraum ausgesetzt sind, also was sich im Laufe eines Jahres maximal in der Lunge eines Menschen ansammelt. Der Zeitraum soll signifikant zum Mittelungszeitraum, also zu einem Jahr, sein. Dummerweise wird nicht definiert, was signifikant bedeuten soll. Aber es sind sicher nicht einig Stunden gemeint. Da Arbeitsplätze nicht unter diese Richtlinie fallen, können eigentlich nur Wohnungen gemeint sein. Denn wo hält sich der Mensch signifikant lange auf außer in seiner Wohnung oder am Arbeitsplatz.
Ich wüsste keinen Menschen, der einen großen Teil seines Lebens am Straßenrand verbringt.
Eine Messstelle, die sich direkt am Straßenrand befindet, in deren Nähe keine Plätze sind, wo sich Menschen länger aufhalten, kann die geforderten Daten daher gar nicht liefern.
In Oldenburg befindet sich die Messstelle direkt am Straßenrand einer vielbefahrenden Straße. Im Erdgeschoss der angrenzenden Häuser befinden sich keine Wohnungen.
Anderseits gibt die Richtlinie auch Details für Aufstellung der Messstellen vor:
— Bei allen Schadstoffen müssen die Probenahmestellen in verkehrsnahen Zonen mindestens 25 m vom Rand verkehrsreicher Kreuzungen und höchstens 10 m vom Fahrbahnrand entfernt sein
Dies scheint etwas widersprüchlich zu der Forderung zu sein, repräsentative Messungen zu bekommen.
Weiterhin heißt es:
f) Probenahmestellen sollten möglichst auch für ähnliche Orte repräsentativ sein, die nicht in ihrer unmittelbaren Nähe gelegen sind.
Das trifft für Messstellen am Straßenrand sicherlich nicht zu.
Es soll nicht gemessen werden:
c) auf den Fahrbahnen der Straßen und — sofern Fußgänger für gewöhnlich dorthin keinen Zugang haben — auf dem Mittelstreifen der Straßen.
Wenn nicht auf den Fahrbahnen gemessen werden soll, macht dann eine Messung direkt am Fahrbahnrand Sinn?
Die Konzentration der Schadstoffe nimmt mit dem Abstand von der Emissionsquelle (hier dem Auspuff) stark ab. Würde man die Messstellen 10 m vom Straßenrand oder dort aufstellen, wo Menschen sich länger aufhalten, gebe es vermutlich keine Überschreitung der Grenzwerte.
Man hat den Eindruck, dass die Richtlinie und vor allem ihre Umsetzung nicht immer ganz durchdacht sind.
Vielleicht klagt ja ein von einem Fahrverbot betroffener Dieselfahrer gegen die Aufstellung der Messstellen.

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